Und sie bewegt sich doch

29. Januar 2017  Fachpolitik

Wir haben ungefähr die Halbzeit der Haushaltsberatungen erreicht. Die Verhandlungen von zehn Einzelplänen liegen hinter uns, sieben liegen noch vor uns plus Diskussion über Haushaltsgesetz, Haushaltsbegleitgesetz, Sondervermögen und Bereinigungssitzung.

Es komme noch die Pläne von Bildungs-, Kultur-, Umwelt- und Finanzministerium. Auch wenn es anstrengend ist, sich auf all die Sitzungen vorzubereiten, stundenlang Fragen zu stellen und alle Erkenntnisse miteinander zu verknüpfen, langweilig ist es bisher nicht. Wir hatten schon einen bockigen Minister, Spaß mit Joey Kelly, moralischen Verschleiß elektronischer Geräte, Probleme mit der Gerichtsmedizin und Machtkämpfe bei der CDU.

Manchmal beneide ich die Kollegen, die pro Fraktion drei oder vier Finanzausschussmitglieder haben. Da kann sich der ein oder andere auch mal eine Sitzung lang etwas zurück halten. Swen und ich müssen in jeder Sitzung topfit sein. Da Swen als Fraktionsvorsitzender auch hin und wieder Termine parallel zu den Finanzausschusssitzungen hat, lastet eine recht große Verantwortung auf meinen Schultern. Aber alles kann ich nicht wissen oder fragen und so geht uns hin und wieder eine versteckte Reservemillion in den Ministerien flöten. Noch bleibt jedoch die Bereinigungssitzung, in der wir abschließend nachhaken können.

Beim Neujahrsempfang der Fraktion im Gespräch mit Wirtschaftsminister Willingmann über die Finanzierung der Rechtsmedizin

Um die richtigen Fragen stellen zu können und versteckte Depots im Haushalt zu erkennen, ist sehr viel Hintergrundwissen nötig. Manchmal kommt es mir so vor, als wäre der Lernstoff für zwei Abiturjahre in zwei Monate gequetscht. Angefangen bei der Arbeitsmarktpolitik (Welche Programme sind weswegen sinnvoll oder nicht?) über Krankenhausfinanzierung (Warum bekommen Krankenhäuser wofür von wem Geld und warum gibt es einen Investitionsstau?), Wirtschaftsförderung (Was sind GRW-Mittel und warum ist die Beantragung kompliziert?), Kalkulationen von möglichen Tarifsteigerungen (Für wen wird in den kommenden Jahren mit welchen Abschlüssen gerechnet und wie wirkt sich das auf den Landeshaushalt aus?), Problemen beim Bau und Betrieb von Gefängnissen bis hin zu versteckten finanziellen Pufferzonen bei Regionalisierungsmitteln im Verkehrsbereich. Gut, dass unsere Fachpolitiker mit in den Beratungen sitzen und uns assistieren.

Hin und wieder konnten wir auch schon Erfolge mit unseren Nachfragen oder Änderungsanträgen verbuchen (z.B. finanzielle Verbesserungen im Jugendbereich). Die Koalition bewegt sich also doch. Von der Koalition angekündigt sind bereits Veränderungen bei der Unterrichtsversorgung, Krankenhausfinanzierung und bei Landverkäufen. Das sind alles Themen, in den wir Änderungsanträge gestellt haben.

Die kommenden drei Wochen werden sehr intensiv, denn neben den Haushaltsberatungen finden noch eine Landtagssitzung statt, diverse Neujahrsempfänge und an den Wochenenden parteiinterne Versammlungen zur Vorbereitung der Bundestagswahl.