Wie rettet man eine Bank?

16. September 2018  Fachpolitik, Im Landtag

In den Medien ist in letzter Zeit über die Probleme der Nord/LB berichtet worden. Das Schifffahrtsgeschäft hat die Bank in den vergangenen Jahren Milliarden-Verluste beschert. Aktuell steht nun ein Stresstest an, der die Leistungsfähigkeit der Bank überprüfen soll.

Nach der Finanzkrise 2007 und dem drohenden Zusammenbruch des Bankensystems hat der Bund mit viel Steuergeld eingegriffen, um das Schlimmste zu verhindern. Damit Banken nicht mehr in eine solche Schieflage geraten können, wurde das Instrument des Banken-Stresstests eingeführt.

Beim Stresstest werden die finanzielle Leistungsfähigkeit der Bank, die Risiken von Investitionen und der Geschäftspolitik sowie weitere Risikofaktoren überprüft. Vom Ergebnis erhoffen sich  Banken und Aufsichtsbehörden Rückschlüsse über die tatsächliche Stabilität der Bank. Durch genaue Auswertung der Banken-Stresstest-Ergebnisse können dann entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden, um erkannte Probleme zu beheben.

Die Nord/LB ist keine “normale” Bank, sondern eine Anstalt öffentlichen Rechts, also eine Landesbank, die von den Ländern Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern gegründet wurde. Diese Länder haben einen gemeinsamen Staatsvertrag. Träger der Bank sind neben Niedersachsen und Sachsen-Anhalt auch der Niedersächsische Sparkassen- und Giroverband, der Sparkassenbeteiligungsverband Sachsen-Anhalt und der Sparkassenbeteiligungszweckverband Mecklenburg-Vorpommern.

Aber wozu eigentlich eine Landesbank? Sie soll die Länder bei der Erfüllung öffentlicher Aufgaben unterstützen. Sie ist für die Sparkasse eine Sparkassenzentralbank, bei der sie z.B.Kredite aufnehmen können. Sie kann für die Länder besondere wirtschaftliche oder finanzpolitische Aufgaben übernehmen und sich dazu Landesförderinstituten (z.B. der Investitionsbank) bedienen.

Sachsen-Anhalt ist mit 5,57 Prozent an der NORD/LB beteiligt. Den weitaus größten Teil trägt das Land Niedersachsen mit 59,13 Prozent.

Wenn nun die Bank Verluste macht, müssen die Träger entscheiden, was sie tun wollen, um der Bank zu helfen. Der auf den ersten Blick einfachste Weg ist eine Kapitalerhöhung, d.h. die Träger geben der Bank Geld. Es kann auch ein privater Investor dazu geholt werden, der Geld mitbringt, aber höchstwahrscheinlich auch Bedingungen stellt. Außerdem muss geschaut werden, was in der Bank getan werden kann, um wieder in ruhigeres Fahrwasser zu gelangen. Im Fall der NORD/LB ist das u.a. der Abbau von schwierigen Schiffskrediten.

Egal, welche Entscheidung der Aufsichtsrat und die Trägerversammlung treffen, die Landesparlamente müssen einbezogen werden. Unsere Aufgabe wird dann sein, zu entschieden, ob wir dem Vorschlag der Träger folgen. Wollen und können wir mehr Geld geben? Wollen wir eine Aktiengesellschaft mit privaten Investoren? Geben wir unseren Anteil ab? Was passiert dann mit der Investitionsbank? Soll sie weiter staatliche Aufgaben wie die Abwicklung der EU-Strukturfonds für uns erledigen, wenn die Bank privatisiert ist?

Ende des Jahres entscheidet sich, welche Strategie die Gremien der Nord/LB verfolgen, um den Stresstest zu bestehen, danach sind wir als Land und Träger gefragt.