Fachpolitik

Neue Entwicklungen bei der Investitionsbank

14. Januar 2017  Fachpolitik

In den vergangenen Monaten hat DIE LINKE bereits 10 Kleine Anfragen gestellt, die sich mit den Beraterverträgen rund um die IB befassen. In den meisten Antworten auf unsere Fragen antwortet das Land aber nur recht knapp und lässt viel Interpretationsspielraum. Das heißt, eine Antwort der Landesregierung zieht meist mindestens eine neue Kleine Anfrage unsererseits nach sich.

Langsam sind wir nun mit all den uns vorliegenden Fakten an einem Punkt angekommen, der unsere Vermutungen zu den Verflechtungen zwischen Landesregierung, Investitionsbank und isw zu bestätigen scheint.

IMG_7729Außerdem besteht seit November 2016 der Parlamentarische Untersuchungsausschuss (PUA). Dort hören wir zukünftig diverse Zeugen aus dem Finanzministerium, der Investitionsbank und dem isw. Momentan ist der PUA für uns aber eher Ergänzung zu den von uns bereits gesammelten Fakten.

Herausbekommen haben wir aktuell, dass die Investitionsbank seit 2006 schon 31 Aufträge an das isw vergeben hat. In 29 Fällen geschah diese Beauftragung freihändig und ohne Vergleichsangebote. Allein an das isw flossen auf diese Weise über 7 Mio. Euro.

Auffällig sind gut die Hälfte dieser Unterbeauftragungen des isw u.a., weil sie sich alle auf einen einzelnen Geschäftsbesorgungsvertrag zwischen IB und Finanzministerium aus dem November 2009 beziehen. Dieser Vertrag ist der Vorgänger des Geschäftsbesorgungsvertrages aus 2013, der  zum Untersuchungsausschuss und zum Rücktritt von Minister Felgner geführt hat.

Es wird immer deutlicher, dass die Landesregierung die IB lediglich als Mittelsmann nutzte, um strenge Vergaberegeln zu umgehen und das isw vorbei am Landtag zu beauftragen. Unklar ist noch, in welcher Höhe die IB von ihrer Mittelsmanntätigkeit profitierte und immer noch profitiert.

Parallel zu unseren Recherchen tut sich nun etwas in der Landesregierung. Finanzminister Schröder hat Laufzeit und Umfang des großen Geschäftsbesorgungsvertrages aus dem Jahr 2013 deutlich reduziert. Die IB hat laut Volksstimme daraufhin den Vertrag mit dem isw gekündigt.

Für uns ist elementar, welche Leistungen die IB und das isw konkret erbracht haben, wie damit auf Seiten der Regierung umgegangen wurde und ob bei der Vergabe alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Erst wenn das alles geklärt ist, kann aus unserer Sicht entschieden werden, wie weiter verfahren wird. Das muss nicht zwangsweise heißen, dass Verträge gekündigt werden müssen. Am Vergabeverfahren muss sich aber in jedem Fall etwas ändern.

Wir bleiben dran und werden in der kommenden Woche eine weitere Kleine Anfrage zu dem Thema stellen.

Haushalt für Anfänger Teil II

11. Januar 2017  Fachpolitik
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Fünf bereits durchgearbeitete Einzelpläne. Je Klebezettel ist mindestens eine Nachfrage im Ausschuss vogesehen.

Haushaltpolitiker gelten als Generalisten, d.h. sie müssen von allem ein bisschen Ahnung haben und die Übersicht wahren. Sie müssen im Gegensatz zu den Fachpolitikern alle Haushaltspläne kennen. Die Haushaltspläne zusammen ergeben über 3.000 Seiten und müssen zum Großteil gelesen werden. Sie sind glücklicherweise nach dem gleichen Schema aufgebaut, so dass man sich orientieren und vergleichen kann. Der umfangreichste Einzelplan ist übrigens der vom Bildungsministerium mit 303 Seiten.

Um sich in den Fachgebieten besser zu recht zu finden, werden uns von den Fachpolitikern und Fachreferenten Hinweise zu den Einzelplänen zugearbeitet. Bei Bedarf sprechen wir auch noch miteinander und legen eine gemeinsame Linie fest. Das ist deshalb wichtig, weil die Einzelpläne erst im Fachausschuss beraten werden und anschließend in den Finanzausschuss kommen. Da ist es gut, wenn Fach- und Finanzpolitiker in dieselbe Richtung schwimmen.

In den Fachausschüssen werden die Einzelpläne zwei Mal behandelt. Bei der ersten Sitzung wird der Plan vom Ministerium vorgestellt und erläutert. Die Ausschussmitglieder haben die Möglichkeit, Fragen zu stellen und weitere Informationen anzufordern. In der einige Wochen später folgenden zweiten Sitzung werden dann von den Fraktionen Änderungsanträge gestellt. Falls wir zum Beispiel nicht mit der Finanzierung der Krankenhäuser einverstanden sind, schreiben wir das in einen Antrag, damit es im Einzelplan des Sozialministeriums geändert wird. Klar ist dabei für uns als Opposition, dass die wenigsten unserer Anträge von der Koalitionsmehrheit angenommen werden. Versuchen werden wir es trotzdem.

Wenn die Fachausschüsse mit ihren beiden Beratungen fertig sind, kommen die Einzelpläne zu uns in den Finanzausschuss. Dort passiert dann noch mal das Gleiche wie im Fachausschuss, nur mit anderen Personen und anderer Schwerpunktsetzung. Bei Bedarf assistieren uns die Fachpolitiker bzw. Fachreferenten am Tag ihres Einzelplans. Das ist hilfreich um zu erfahren, ob das Ministerium im Fachausschuss das Gleiche erzählt hat bzw. ob sich durch nachgereichte Unterlagen vielleicht ein anderes Bild ergibt.

Wenn der Finanzausschuss dann am 16. Februar mit dem kompletten Haushalt fertig ist, geht er wieder zurück in die Verwaltung und kann dann in der Landtagssitzung am 2. und 3. März behandelt werden. Da es sich bei dem Haushaltsentwurf um einen Doppelhaushalt handelt, werden die nächsten Haushaltsberatungen erst im Jahr 2018 stattfinden. Es sei denn, es gibt einen Nachtragshaushalt, aber das ist ein anderes Thema…

Haushalt für Anfänger Teil I

09. Januar 2017  Fachpolitik
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Die blauen Markierungen sind Finanzaussschussitzungen

In dieser Woche starten für uns Finanzpolitiker offiziell die Haushaltsverhandlungen. Wo normalerweise eine Finanzausschusssitzung im Monat stattfindet, tagen wir nun bis Mitte Februar bis zu drei Mal wöchentlich.

In jeder Sitzungen werden ein bis drei so genannte Einzelpläne verhandelt. Jeder Einzelplan (EP) steht für ein Ministerium bzw. einen Teilbereich eines Ministeriums und hat eine Nummer. Es gibt zu Beispiel den EP 01 (Landtag), EP 03 (Innenministerium) und EP 14 (Verkehrsministerium).

Insgesamt gibt es 17 Einzelpläne für 11 oberste Landesbehörden (Ministerien, Staatskanzlei, Rechungshof, Landtag). Je nach Größe der Behörde wird in einer Sitzung nur ein Plan behandelt (z. B. beim Innen- und Sozialministerium) oder mehrere Pläne (z.B. beim Landtag und der Staatskanzlei).

Manche Ministerien haben auch mehrere Einzelpläne, z.B. das Wirtschaftministerium. Dieses hat die Einzelpläne 06 (Wissenschaft und Forschung) und 08 (Wirtschaft).

In den Ausschusssitzungen wird uns der jeweilige Einzelplan vom Ministerium vorgestellt, danach können wir Fragen stellen. Das passiert in 12 Sitzungen. Wenn wir mit allen Einzelplänen fertig sind, kommt zum Schluss, Mitte Februar, die so genannte Bereinigungssitzung. Dort kommen noch mal alle Pläne in zwei aufeinander folgenden Tagen auf den Tisch. In der Bereinigungssitzung können wir die Erkenntnisse anwenden, die wir in den Einzelplansitzungen erlangt haben und Änderungsanträge zum Haushalt stellen. Erfahrungsgemäß können sich diese beiden Sitzungen auch bis tief in die Nacht ziehen.

Bei der Landtagssitzung Anfang März wird der Haushalt dann mit den neuen Erkenntnissen ausführlich behandelt und wahrscheinlich mit den Stimmen der Koalition beschlossen.

Weiter Streit ums Abwasser

22. Dezember 2016  Fachpolitik

img_7652Der schon seit einem Jahr bestehende Streit um die Kosten für Abwasseranschlüsse geht in eine neue Runde. Anfang Dezember verschickte der Wasser- und Abwasserzweckverband Wolmirstedt (WWAZ) Mahnungen an etliche Bürgerinnen und Bürger. Für viele war es das erste Schreiben des WWAZ seit 12 Monaten. Um das Thema auch politisch weiter zu behandeln, beantragte unsere Fraktion am 15. Dezember eine Debatte mit dem Titel „Beitragsauseinandersetzungen Einhalt gebieten„. Leider wurde der Antrag von der Koalition abgelehnt.

Um mit den Menschen vor Ort über die Problematik zu sprechen, ihnen Hilfestellungen zu geben und vor allem Fragen zu beantworten, lud die Bürgerinitiative BI 91 daraufhin zu einer Informationsveranstaltung ein. Als Räumlichkeit bot sich das Wahlkreisbüro in der Fußgängerzone in Wolmirstedt an. Als Gast hatten wir den ehemaligen Landtagsabgeordneten und Kommunalspezialisten Gerald Grünert eingeladen. Er fasste die Problematik noch mal verständlich zusammen und beantwortete die vielen Fragen der Betroffenen.

Am 24. Januar soll das Landesverfassungsgericht eine Entscheidung zum Rechtsstreit fällen. Danach soll es in Wolmirstedt eine weitere Versammlung geben. Wir möchten gemeinsam mit der BI 91 Anfang Februar eine weitere Informationsveranstaltung durchführen, um das Urteil zu erklären und weitere Schritte zu beraten. Mehr Informationen gibt es zeitnah auf www.boerdewasser.de und auf dieser Seite.

Erste Zeugenbefragung im Untersuchungsausschuss

11. Dezember 2016  Fachpolitik

img_7550Am Freitag fand die zweite Sitzung des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses zu den Beraterverträgen statt. Erstmals wurden Zeugen vorgeladen und befragt.

Das Prozedere eines Untersuchungsausschusses ist sehr streng vorgegeben, langwierig und mitunter kompliziert. Juristen haben in diesem Ausschuss einen entscheidenden Vorteil, sie haben im Rahmen ihrer Ausbildung gelernt, wie man sich auf eine Verhandlung vorbereitet und Zeugen befragt. Alle anderen müssen sich erst langsam vortasten und sich von Fachmenschen oder erfahrenen Kolleginnen und Kollegen beraten lassen.

Um eine Zeugenbefragung durchzuführen, muss in der vorherigen Sitzung ein Beweisantrag gestellt werden, müssen die Zeugen konkret benannt und eingeladen werden. Sie werden vor ihrer Aussage belehrt und müssen nur auf die Fragen antworten, die sich im Rahmen des Beweisantrages bewegen. Es ist daher elementar, wie so ein Beweisantrag aussieht. Ist er zu eng formuliert, können wichtige Fakten nicht erfragt werden. Ist er zu weitläufig formuliert und geht über den Untersuchungsauftrag hinaus, kann es sein, dass er von den Mitgliedern des Ausschusses abgelehnt wird.

Wir haben in der Sitzung am Freitag zwei Zeugen gehört und danach neue Beweisanträge für die kommenden Sitzungen eingereicht. Diese wurden alle vom Ausschuss beschlossen und werden nun nacheinander abgearbeitet.

Wer sich im Ausschuss meldet und Fragen an die Zeugin bzw. den Zeugen stellen will, darf seinen Frageblock komplett abarbeiten und beliebig viele Nachfragen stellen. Dann ist der nächste Abgeordnete dran. Dieses Prozedere kann sich pro Zeuge über mehrere Stunden hinziehen. Am Freitag saßen wir von 10 Uhr bis 17 Uhr.

Für die kommende Sitzung am 13. Januar 2017 sind zwei von noch sieben ausstehenden Zeugen geladen. Auf der Liste steht auch der ehemalige Finanzminister Jens Bullerjahn.

Von den beiden ersten Zeugen haben wir einiges über die internen Abläufe im Finanzministerium, über Vergabepraktiken, Parteimitgliedschaften, halb private Dienstreisen und Freundschaften zwischen beteiligten Personen erfahren.

Mir hilft, dass ich weiß, wie Abläufe in einem Ministerium organisiert sind, was üblich ist und was eher ungewöhnlich, wie Dienstwege aufgebaut sind und wer z.B. bei Beförderungen eingebunden ist.

Dass ein Staatssekretär mit einem leitenden Mitarbeiter des Ministeriums ein Gespräch über dessen zu dem Zeitpunkt offensichtlich unsichere Zukunft führt, ohne die Personalabteilung oder das Personalreferat einzubeziehen, ist ungewöhnlich. Wenn dann noch heraus kommt, dass der Mitarbeiter anschließend mit dem Abschluss eines bestimmten Geschäftsbesorgungsvertrages beauftragt wurde und zufälligerweise das gleiche Parteibuch hat, wie Minister und Staatssekretär, und wenige Woche nach dem Gespräch mit dem Staatssekretär befördert wird, ist schnell klar, dass da einiges nicht mit rechten Dingen zugeht.