Fachpolitik

Sozialausschuss for Beginners

07. Dezember 2016  Fachpolitik

Nun war ich auch das erste Mal in meinem vierten und letzten Ausschuss aktiv. Im Sozialausschuss bin ich zwar nur Stellvertreterin, kann dort aber meine Jugendthemen anbringen. Das ist also keine klassische Stellvertreterrolle im Sinne einer Vertretung, sondern eine Sitzaufteilung. Die Themen des Ausschusses sind auf vier Abgeordnete aufgeteilt, wir haben aber nur zwei Sitze im Ausschuss. Ich komme also immer dann zum Einsatz, wenn mein Thema dran ist. Heute war das gleich zwei Mal der Fall.

Im Top 1 wurde der Haushalt des Sozialministeriums eingebracht und im Top 5 wurde mein Antrag „Jugendarbeit ernst nehmen. Zuwendungen pünktlich auszahlen“ behandelt.

Beim Haushalt war ich nur Statistin, saß also in der zweiten Reihe, notierte mir Aussagen des Ministeriums und souflierte meinen Kolleginnen. Das war trotzdem sehr spannend, weil viele meiner ehemaligen Kolleginnen und Kollegen aus dem Ministerium anwesend waren und ich das Geschehen nun aus ganz neuer Perspektive sehen und bewerten konnte. Das Ganze passiert dann am 25. Januar im Finanzausschuss noch einmal. Da darf ich dann glücklicherweise auch etwas sagen. Ich bin sehr gespannt!

twitterSo interessant und amüsant der erste Teil der Sitzung war, so frustrierend und ernüchternd war der zweite. Im Oktober wurde im Landtag auf meinen Antrag hin diskutiert, dass die freien Träger der Jugendarbeit das Geld für ihre Arbeit aus unterschiedlichen Gründen meist erst im zweiten Halbjahr erhalten. Normal und angedacht ist Januar.

Ich hatte angenommen, dass ich beim entsprechenden Tagesordnungspunkt meinen Antrag noch einmal vorstellen und mit den anderen Fraktionen diskutieren kann. Aber weit gefehlt. Die Koalition reichte zum Anfang der Sitzung eine Beschlussempfehlung mit einem von ihr umfangreich geänderten Antrag ein. Diese wurde dann von der Koalition auch so beschlossen. Meine ursprünglichen Forderungen sind nun total verwässert, verfälscht und verharmlost. Außerdem gab es gar keine Diskussion, sondern lediglich einen kurzen Austausch. Ich habe einen Großteil der Zeit über die Intentionen hinter unserem Antrag gesprochen, die Probleme erläutert, die Forderungen genauer erklärt. Zurück kam nur Schweigen. Die CDU äußerte sich gar nicht, die SPD einmal kurz, die Grünen zum Anfang und das Ministerium lediglich zum Personalproblem im Landesverwaltungsamt.

Entweder man hat die Probleme nicht erkannt, man will sie nicht erkennen oder sie sind der Koalition egal.

Deutlich klar geworden ist mir heute, dass die Politik den Rahmen vorgeben muss, in dem sich die Ministerien bewegen. Wenn der Rahmen schlecht ist, können auch die Ministerien wenig Gutes tun.

Beschlossen wurde nun, dass die Träger spätesten im Juni jeden Jahres ihr Geld bekommen, was in etwa so sinnvoll ist wie ein Pflaster auf einem offenen Beinbruch.

Motivierende Fachgespräche

05. Dezember 2016  Fachpolitik

Heute fand ein schon länger geplantes Gespräch mit Oliver Greie von verdi statt. Er ist Landesbezirksleiter für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen und damit wichtiger Ansprechpartner für alle Belange rund um Tarifverträge, Bezahlung, Mitbestimmung und Mindestlohn. Wir diskutierten heute gemeinsam mit Andreas Höppner, Janina Böttger und Benjamin Gehne über aktuelle Themen im Landtag und über zukünftige Initiativen. Sogar eine meiner Kleinen Anfragen zur „Dynamisierung der Lohnkosten bei geförderten Einrichtungen, Verbänden, Vereinen und anderen Trägern“ wurde diskutiert. Schön, dass sie der Kollege Greie in der Tasche hatte. Die Antwort dazu konnte er mit zurück ins Büro nehmen.

Am späten Nachmittag konnte ich dann das Thema mit meinem Lieblingsanwalt für Arbeitsrecht weiter vertiefen. Auf Grundlage der oben genannten Anfrage und einer aus dem September stammenden Anfrage zur „Eingruppierungen von Fachkräften in der Jugendarbeit“ diskutierten wir Möglichkeiten zur Verbesserung des Fördersystems, rechtliche Grundlagen, politische Möglichkeiten und gute Zeitpunkte für Parlamentsdebatten.

Das waren zwei sehr gute, sehr motivierende und anregende Gespräche. Toll, dass es so fähige Fachmänner im Land gibt, mit denen wir gemeinsam an der Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen hier im Land arbeiten können.

Debatte ohne klare Lösung

27. November 2016  Fachpolitik

Nach einer anstrengenden Woche voller Termine wurde Freitagmittag mein Antrag „Landesförderung für zivilgesellschaftliche Arbeit sichern“ in der Landtagssitzung debattiert. Der Antrag befasst sich zwar mit sozialen Belangen, hat aber einen finanziellen Hintergrund. Daher debattierten Kollegen aus dem Finanzausschuss und der Finanzminister mit mir. Mir wären die Sozialpolitiker auch wichtig gewesen.

Die Debatte gestaltete sich dann aber anders, als ich es erwartet hatte. Auch die anwesenden Verbandsverträger waren irritiert von der Heftigkeit der Reaktionen auf den Antrag, vor allem von AfD und CDU. Hier das Video zu meinem Redebeitrag:

Nach mir sprach erst der Finanzminister für die Landesregierung, dann sprachen die Politiker der anderen Fraktionen. Hier finden sich ihre Redebeiträge.

Letztendlich wurde der Alternativantrag der Koalition beschlossen. Ob sich damit die Situation der Träger, Vereine und Verbände im Januar  verbessert, bezweifle ich.

Haushaltstag

17. November 2016  Fachpolitik

schreibtischEndlich! Zwischen all den aktuellen Ereignissen ist es mir nun doch gelungen, einen Haushaltstag einzulegen. Also keinen Putztag, sondern ein Tag mit den Haushaltsplänen.

Tatsächlich habe ich heute zwei  von ungefähr 20 Plänen geschafft. Als Jugendpolitische Sprecherin ist für mich der Plan des Sozialministeriums besonders relevant, also kam dieser als erster dran.

Die Aktivitäten des Landes sind auf vielen Seiten in Kapitel, Titel, Hauptgruppen, Einnahmen, Ausgaben, Zweckbestimmungen, Ansätzen, Verpflichtungsermächtigen usw. geordnet. Manchen Pläne sind mehrere hundert Seiten dick, da ist es gut, wenn man ungefähr weiß, wie der Plan aufgebaut ist, wo sich z.B. Studien und Gutachten verstecken, wo die Personalausgaben zu finden sind oder wo eine Globale Minderausgabe eingeplant wird.

Um all die Zahlen, Beschreibungen, Verschiebungen, Paragraphen und Stellenpläne zu verstehen, braucht es eine Menge Zeit. Da ich immer noch viele Fragen habe, ist es gut, dass ich Kollegen anrufen kann, die mir helfen und mir Dinge erklären. Gut ist auch, sich als Vergleich die Haushalte der vergangenen Jahre dazu zu nehmen. Manchmal erklären sich die Zahlen dann von allein.

Ich habe mir alle unklaren, merkwürdigen oder kritikwürdigen Stellen mit Marker und Klebezettel markiert. In den nächsten Tagen gleiche ich meine Fragen mit den Ausarbeitungen der Kolleginnen und  Kollegen (z.B. aus dem Gesundheits- oder Integrationsbereich) ab und dann sind wir gut vorbereitet für die Haushaltsverhandlungen.

Für Haushaltspolitiker ist der Aufwand zur Vorbereitung der Verhandlungen sehr hoch. Die anderer Fachpolitiker müssen sich ein oder zwei Pläne ganz genau anschauen, um sich zu ihrem Themenfeld äußern zu können, wir hingegen müssen von allen Plänen zumindest ein bisschen Ahnung haben, die wichtigsten Knackpunkte kennen und den Aufbau der Pläne kennen.

Die Sache mit der doppelten isw

11. November 2016  Fachpolitik

hhpeEigentlich wäre ich gerade mit dem Europaausschuss von der Ausschussreise zurückgekommen. Gut, dass ich mich gegen die Reise entschieden habe. Es wurde eine Woche, die mit jedem Tag an Fahrt zunahm, denn die für den frisch gedruckten Haushaltsplanentwurf angedachten Arbeitsstunden wurden aufgefressen durch Reaktionen auf aktuelle Ereignisse.

Am Dienstagnachmittag lag die Antwort auf die Kleine Anfrage zur „Vergabe von Gutachten und Beraterverträgen an das Institut für Strukturpolitik und Wirtschaftsförderung gGmbH Halle (ISW)“ in meinem Postfach. Die Anfrage hatte ich bereits im September gestellt und mit der Landesregierung zur ordnungsgemäßen Beantwortung eine Acht-Wochen-Frist vereinbart. Wie üblich, erhielt ich ein Vorabexemplar, mit dem ich arbeiten kann, bevor die Antwort im Internet veröffentlicht wird.

In der Anfrage habe ich konkret nach dem „Institut für Strukturpolitik und Wirtschaftsförderung gGmbH Halle“ gefragt. Was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht realisiert hatte, es gibt noch eine isw mbH.

In der Vorbemerkung des Finanzministeriums zur Kleinen Anfrage heißt es: „Weiterhin ist zu vermerken, dass neben der ISW gGmbH auch eine ISW mbH mit gleicher Geschäftsführung existiert, mit der ebenfalls Aufträge realisiert wurden. Diese Aufträge sind in die Beantwortung mit einbezogen worden.“

Kurz zusammengefasst: Beide Firmen haben dieselbe Anschrift in Halle, in beiden Firmen sind fast deckungsgleich die selben Personen verantwortlich und die Arbeitsfelder sind sehr ähnlich. Ungewöhnlich ist, dass das Finanzministerium in der Beantwortung der Anfrage auf diesen Aspekt hinweist und auch noch so umfänglich antwortet. Bei vorherigen Antworten zu anderen Themen hatte ich den Eindruck, als wolle man so wenige Informationen wie möglich preisgeben.

Ich hatte unter anderem gefragt, wann im Zeitraum ab 2004 Verträge vergeben wurden, wer Auftraggeber war, zu welchem Zweck die Verträge abgeschlossen wurden und mit welchem finanziellen Rahmen.

Bei der Auswertung wurde schnell klar: Es ist viel Geld geflossen, ein Großteil davon ohne Ausschreibung durch die Investitionsbank und es wurden immer wieder Daten von Landesbehörden eingekauft, die das Land auf direktem Wege deutlich preiswerter erhalten hätte können.

Nachdem ich mit dem ersten Journalisten über die brisanten Informationen gesprochen hatte (parallel wurde gerade einer der dort aufgelisteten Verträge in der Presse ausgewertet), kamen nach und nach immer mehr Medienanfragen bei mir an. Bis Freitagabend habe ich mit dem MDR-Hörfunk, MDR-Fernsehen, der Volksstimme und der Mitteldeutschen Zeitung gesprochen. Mit einigen sogar mehrmals, da sich heute neue Akteure zu Wort meldeten, auf die ich unbedingt reagieren musste.

tweetEinige Stunden nach all dem Wirbel kam dann heute per Twitter eine Nachricht bei mir an: Wirtschaftsminister Felgner soll zurücktreten.

Mit einer Rücktrittsdebatte ist nun aber nicht plötzlich alles gut. Momentan beschäftigen wir uns im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss mit dem Vertrag aus dem Jahr 2013, der damals vom Finanzstaatssekretär Felgner unterschrieben wurde. Es sind aber bei weiteren Verträgen auch noch andere Ministerien in die merkwürdige Vergabepraxis involviert. Darunter auch CDU geführte Häuser.

Wir Abgeordnete müssen all das jetzt ans Licht bringen, aufklären, Konsequenzen fordern und dafür sorgen, dass solche Vergaben in Zukunft nicht mehr möglich sind. Und wir müssen die Kompetenz der eigenen Kolleginnen und Kollegen in der Verwaltung stärken. Nur dann sind wir nicht mehr so umfangreich auf Beraterleistungen angewiesen.

Mich ärgert an der Sache vor allem, dass wir offensichtlich über viele, viele Jahre etliche Millionen für Studien, Beratungen und Gutachten gezahlt haben, mit teils fragwürdigen oder nicht nachweisbaren Ergebnissen. Aber für die Menschen in unserem Land, für Kinder, Jugendliche, Lehrer, Polizisten, Hausärzte oder auch Schulen hatten wir nicht ausreichend Mittel zur Verfügung. Das darf so nicht weitergehen.