Fachpolitik

Kleine Schiffe, große Probleme

01. Februar 2019  Fachpolitik

Schon seit Monaten bewegt uns die kritische Lage der Norddeutschen Landesbank. Sie ist eine der wenigen öffentlich-rechtlichen Banken in Deutschland und wird von den Ländern Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und den Sparkassen getragen.

Die NORD/LB soll die Länder Niedersachsen und Sachsen-Anhalt in der Erfüllung öffentlicher Aufgaben zu unterstützen. Sie kann das Bausparkassengeschäft selbst oder durch selbständige Beteiligungsunternehmen betreiben. Die Bank hat die Aufgaben einer Sparkassenzentralbank (Girozentrale) und sie kann in den Ländern Niedersachsen und Sachsen-Anhalt besondere wirtschaftliche oder finanzpolitische Aufgaben übernehmen.

Sitz der NORD/LB am Magdeburger Domplatz Foto: Wikipedia

Jeder der Träger hat ein Stammkapital hinterlegt. Sollte die Bank in finanzielle Schwierigkeiten gelangen, müssen die Träger weiteres Geld hineingeben. Dieser Fall ist nun eingetreten. Die Bank ist in der Vergangenheit wegen misslungener Schiffsfinanzierungen finanziell in schweres Fahrwasser geraten. Man hat Schiffe finanziert, die auf den Weltmeeren nicht mehr benötigt werden, da sie zu klein sind. Diese Schiffe will nun niemand mehr kaufen. Die Bank braucht nun rund 3,5 Milliarden Euro neues Kapital.

Was man bei der Schiffsfinanzierung aber nicht vergessen darf: Die NORD/LB ist keine “normale” Bank, sondern eine öffentliche. Das heißt, wenn die öffentlichen Träger der Bank aufgrund einer politischen Entscheidung bestimmte Aufgaben übertragen, muss die Bank diese Aufgaben erfüllen. Das war bei den Schiffsfinanzierungen der Fall. Die Länder Niedersachsen und Bremen haben Werften, die eine Menge Arbeitsplätze sichern. Diese Werften haben Schiffe gebaut. Um die Werften und Arbeitsplätze zu sichern, sollte die Bank die Finanzierung der Schiffe übernehmen. Außerdem wurde beschlossen, dass die NORD/LB die kleinere Bremer Landesbank übernimmt. Diese hatte noch mehr faule Schiffskredite.

Dass irgendwann ein großer Schuldenberg durch die Schiffskredite anwachsen und nach und nach alle Rücklagen auffressen würde, war also absehbar. Nun ist die Frage, was die Länder tun. Sie möchten die Bank erhalten, diese jedoch umstrukturieren. Niedersachsen und die Sparkassen haben sich in der Zwischenzeit bereit erklärt, mehr Geld in die Bank zu stecken. Wie sich Sachsen-Anhalt verhält, ist noch nicht klar.

Wir haben uns in den vergangenen Wochen sehr intensiv mit der NORD/LB, mit Schiffskrediten, Stammkapital, Gewährträgerhaftung und Privatisierungsbemühungen beschäftigt. Es gab eine Sonderfinanzausschusssitzung zur NORD/LB, einen Top in der Fraktionssitzung, Pressemitteilungen, Fernseh-, Radio-, Zeitungs-, und Agenturinterviews, Fragenkataloge und eine ganze Fragestunde in der Landtagssitzung. Das Thema NORD/LB kommt mir langsam aus den Ohren heraus.

Das Problem für uns als Parlament ist zum einen, dass wir gar nicht alle Informationen bekommen dürfen, die wir gern hätten, weil wohl das Bankengeheimnis dagegen steht. Wir sind als Land aber Träger und als Parlament für den Haushalt zuständig. Wir entscheiden letztendlich, ob wir mehr Geld hineinstecken oder nicht. Aber wie sollen wir eine vernünftige Entscheidung treffen, wenn wir nicht alle Informationen haben? Außerdem müssen wir uns darüber verständigen ob wir uns komplett aus der Bank zurückziehen bzw. unseren Anteil von nicht mal 6 Prozent weiter absenken. Um das zu entscheiden, müssen aber noch viele, viele Fragen vom Finanzministerium beantwortet werden.

Wir Parlamentarier sind keine Banker und die wenigsten von uns haben Betriebswirtschaft studiert. Wir tragen gerade viel Verantwortung für das Land und den öffentlich-rechtlichen Bankensektor. Geht die NORD/LB pleite, sind auch die Sparkassen im Land in Gefahr. Es ist wie ein Dominoeffekt, den wir unbedingt verhindern wollen.

In den kommenden Wochen wird es auf allen Ebenen abschließende Entscheidungen zur Bank geben. Ich hoffe, dass sie wieder in ruhigere Fahrwasser kommt und wir als Land kein neues Geld beisteuern müssen.

Der Beitrag vom 31. Januar bei MDR Sachsen-Anhalt Heute erklärt den aktuellen Stand:

Kleine Finanzklausur mit erstaunlichem Rückblick

24. Januar 2019  Fachpolitik, Im Landtag

Um einen Überblick über die bearbeiteten Themen im Jahr 2018 zu bekommen und einen Blick in die kommenden Monate zu werfen, haben wir uns in der ersten Januarwoche zu einer kleinen Finanzklausur zusammengefunden.

Besonders erstaunt hat mich die Themenvielfalt, die wir im zurückliegenden Jahr bearbeitet haben. Manche Themen sind nur kurz relevant und verschwinden dann wieder, andere beschäftigen uns Jahre lang. Manchmal können wir tatsächlich Veränderungen bewirken. Es ist gut zu wissen, was wir schon angefasst haben und wo wir nachsetzen müssen.

Folgende Finanz- und Haushaltsthemen haben wir in den vergangenen 12 Monaten mit Kleinen Anfragen, Selbstbefassungsanträgen im Finanzausschuss, Anträge im Plenum und mit Hilfe der Medien bearbeitet:

  • An-Institute der Hochschulen und Nebenverdienste von Professoren
  • Bürgschaften des Landes im Zusammenhang mit MIFA
  • Derivathandel
  • Externe Vergaben des Landes
  • Finanzierung von institutionell geförderten Trägern
  • Fluthilfemittel
  • Gunnar Schellenbergers 7er BMW
  • Hafenhinterlandkonferenz
  • Haushalt
  • Karenzzeiten für Ministerinnen und Minister
  • Kostensteigerung bei Landesbaumaßnahmen
  • Krankenhausinvestitionen
  • Landverkäufe
  • OLAF-Bericht zur IBG-Affäre
  • Ostdeutsche Belange
  • Reiseaktivitäten des Kabinetts
  • Seilbahnprojekt in Schierke
  • Sponsoringbericht des Landes
  • Tarifpolitik und Ausnahmen in der Landesverwaltung
  • Tourismusförderung
  • Transparenz von Parteispenden
  • Umgang mit Beraterverträgen
  • Umgang mit und Verteilung von EU-Mitteln
  • Zusatz- und Sonderversorgungssysteme der DDR

Im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit war ich bei folgenden Themen aktiv:

  • Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge
  • Ombudsschaften
  • Verteilung von Lotto-Mitteln
  • Förderung von Verbänden- und Vereinen
  • SGB VIII-Novelle und Informationsveranstaltung
  • Kooperation von Jugendhilfe und Schule
  • Praxis der Verwendungsnachweisprüfung
  • Auslegung der Landeshaushaltsordnung

Was in den letzten Monaten noch passiert ist…

20. Januar 2019  Fachpolitik, Im Landtag

Zum Jahresende mit Haushaltsverhandlungen im Nacken rücken alle anderen Themen schnell in den Hintergrund. Auch die Berichterstattung auf dieser Webseite hat etwas darunter gelitten. Daher hier einen kleinen Überblick, was in den letzten Monaten des Jahres 2018 neben vielen Zahlen noch relevant war:

Unsere Kleine Anfrage zu Ostdeutschen in Führungspositionen wurde im Rahmen eines Antrages im Landtag thematisiert. Wir haben gefordert, dass die Landesregierung in allen Fachausschüssen des Landtags zu berichten soll, mit welchen strukturellen Maßnahmen sie insgesamt und ressortspezifisch der Unterrepräsentanz Ostdeutscher in Führungspositionen der Landesverwaltung begegnen will. Der Antrag wurde in den Finanzausschuss überwiesen.

Die Finanzierung von institutionell geförderten Trägern wurde in unseren Arbeitskreisen thematisiert und führte zu einer Kleinen Anfrage, die wir als Grundlage für ein Fachgespräch mit Trägern und anschließend für einen Antrag im Plenum nutzen wollen. Wir haben um Informationen zur Höhe der Förderung, den Eigenanteilen der Träger und zu den Personalstellen gebeten. Nach unserer Ansicht wird in den Ministerien sehr unterschiedlich mit den Trägern umgegangen. Wir wollen schauen, was dran ist und was wir dort optimieren können.

Die Verteilung und die Nutzung von Mitteln für die Hochwasserkatastrophe 2013 treiben uns auch fünf Jahre danach noch um. Wir stoßen bei der Auszahlung und Abrechnung der Mittel immer wieder auf Unregelmäßigkeiten und nicht nachvollziehbare Rückholpraktiken. Eine Kleine Anfrage sollte mehr Klarheit bringen. Das Thema ist aber noch nicht beendet und wird noch weiter geführt.

 

Haushalt immer, rückwärts nimmer!

16. Januar 2019  Fachpolitik, Im Landtag

Der Haushalt für 2019 ist verabschiedet, der neue Doppelthaushalt für die Jahre 2020 und 2021 wird schon am Rande thematisiert. Spätestens ab August wird es für die Fraktionen hier im Landtag dann wieder ums Ganze gehen. Die nächsten Haushaltsverhandlungen werden die letzten in dieser Legislatur und daher deutlich spannungsgeladener als die vergangenen Verhandlungen sein. Obwohl ich mir das ehrlich gesagt nach den letzten Kampf-Monaten im Finanzausschuss kaum vorstellen kann. Die Verhandlungen waren derart konfliktgeladen, chaotisch und kritikwürdig, dass ich mir eine Steigerung kaum vorstellen mag.

Was genau gibt es also zu kritisieren?

  • Der Haushalt kann nur durch zusätzliche Steuereinnahmen, eine große globale Minderausgabe und überzogene Einnahmetitel ausfinanziert werden.
  • Der Haushalt leidet an Projektitis, ausgelöst durch ein Wünsch-dir-was-Virus der Koalition – denn überall finden sich neue Wunsch-Projekte der Koalitionspartner.
  • Wichtige Vorhaben wie die Schulsozialarbeit, der Breitbandausbau und Gegenmaßnahmen für den Personalmangel wurden nur halbherzig erfüllt, dafür aber monatelang über Förster gestritten.
  • Verpflichtungsermächtigungen von über 4,5 Milliarden Euro schränken den Spielraum zukünftiger Haushalte extrem ein.
  • Sitzungen wurden kurzfristig abgesagt, verschoben und dann im Eiltempo nachgeholt.
  • Die Koalition agierte teilweise als Opposition und war sich in wichtigen Punkten nicht einig.

All das und noch vieles mehr haben wir auch bei der Landtagssitzung im Dezember thematisiert. Die Redebeiträge finden sich hier. Nach den vielen Sitzungen, Fragenkatalogen, Änderungsanträgen, Diskussionen und internen Debatten ist es gar nicht leicht, die Essenz der Verhandlungen in 15 Minuten Redezeit zu stecken. Ich glaube aber, es ist ganz gut gelungen.

Einige der Themen, die uns bei den Verhandlungen beschäftigt haben, werden wir in diesem Jahr weiter bearbeiten. Dazu zählen die Landverkäufe, die Förderung des Landestourismusverbandes und die Finanzierung von institutionell geförderten Trägern.

Haushalt – Es geht los!

30. September 2018  Fachpolitik, Im Landtag

Die vergangene Landtagssitzung stand ganz im Zeichen des Haushaltes. Der mehrere Kilo schwere Entwurf der Landesregierung wurde uns vorab postalisch und auch als Datei zur Verfügung gestellt (das erleichtert das Suchen nach bestimmten Titeln deutlich). Wir hatten also etwa eine Woche Zeit, um uns auf die Haushaltsdebatte im Landtag vorzubereiten.

Weil der Haushalt so ein wichtiges Thema ist, das alle Politikbereiche umfasst, wurde für die Landtagssitzung eine besonders lange Redezeit vereinbart. Insgesamt 300 Minuten aufgeteilt auf alle Fraktionen und die Landesregierung. Hier kann die gesamte Debatte nachgeschaut werden.

Die eigentlichen Verhandlungen über die Haushaltspläne der Ministerien beginnen erst nach der Debatte im Landtag (1. Lesung), daher sprechen traditionell die Fraktionsvorsitzenden zum Anfang. Wenn dann die Beratungen vorbei sind, kommt hoffentlich im Dezember die 2. Lesung, bei der dann die Finanzpolitiker reden, die ja bei allen Sitzungen dabei waren und den genauen Fortgang der Beratungen erlebt haben.

Komischerweise hat die Koalition diese Logik dieses Mal umgedreht. Die Finanzpolitiker haben die erste Debatte geführt und die Fraktionsvorsitzenden machen dann wahrscheinlich den Abschluss. Ob das zielführend ist, werden wir sehen. Meine Fraktion hat es jedenfalls bei dem alten Prinzip belassen. Unser Fraktionsvorsitzender hat dieses Mal gesprochen, ich rede dann im Dezember nach den Beratungen.

Es werden anstrengende und nervenzehrende Wochen bis Ende Dezember. Hoffen wir, dass ein sinn- und verantwortungsvoller Haushalt dabei heraus kommt…