Zwei Jahre im Landtag – Das dünne Eis der Routine

31. März 2018  Im Landtag

Nach etlichen Ausschusssitzungen, Landtagsreden, Selbstbefassungsanträgen und Kleinen Anfragen kommt so langsam Routine in die Arbeit als Abgeordnete. Ich weiß jetzt, welche Fristen es wofür gibt, wann wo welche Ausschüsse tagen, wie ernst man den Zeitplan der Landtagssitzung nehmen sollte und wie Gespräche mit Besuchergruppen ablaufen.

Im Laufe der zwei Jahre habe ich alles mindestens einmal durchlaufen (z.B. die Haushaltsverhandlungen) und kann daher einschätzen, wie viel Zeit die Vorbereitung von Ausschüssen in Anspruch nimmt, welche Themen Priorität haben, wo es bei der Koalition kriselt und dass es manchmal gar nicht auf Argumente ankommt, sondern auf Einzelinteressen.

Wer sein Parlamentsbesteck kennt, kann auch in ungewöhnlichen Situationen schnell reagieren

Ich kann einschätzen, welche Instrumente der Legislative wie wirken und wo sie am besten eingesetzt werden. Hole ich z.B. beim Thema Karenzzeiten für Ministerinnen und Minister das “große Besteck” heraus und stelle einen Antrag in der Landtagssitzung oder bringe ich das Thema mit einem Selbstbefassungsantrag in den Finanzausschuss? Ich könnte auch eine Kleine Anfrage dazu stellen und nach Erhalt der Antwort entscheiden, ob das Thema etwas für eine größere Öffentlichkeit ist, also den Medien zugeht oder ob man dazu mal das zuständige Ministerium anspricht, um sich weitere Informationen zu holen bzw. noch bestehende Fragen zu klären.

Oft kommt es darauf an, wie man etwas angeht, um Erfolg zu haben. Ein Gefühl dafür zu bekommen, wann welches Vorgehen sinnvoll ist, kommt erst mit der Zeit und hängt viel auch von den Kollegen der anderen Fraktionen ab. Einschätzen zu können, welche Reaktion von ihnen kommt, kann hilfreich sein, um seine Interessen durchzusetzen.

Wir sind zwar 87 Abgeordnete im Landtag, haben aber in der täglichen Arbeit jeweils nur mit einem kleinen Teil dieser zu tun. In meinen Ausschüssen bin ich regelmäßig von 17 Kollegen umgeben, die ähnlich wie ich, in mehreren Ausschüssen parallel sitzen. Man kennt sich also nach etlichen Stunden gemeinsam in Ausschüssen und im Plenum schon ganz gut.

Trotz der Routine, die sich langsam eingeschlichen hat, gibt es immer wieder Situationen, die vollkommen von den bisher gemachten Erfahrungen abweichen. Oder es ergeben sich neue Ausschusskonstellationen und die eingespielten Rollen werden wieder neu verteilt. Abmachungen, die mit anderen getroffen wurden, sind dann wieder hinfällig und man muss von vorn anfangen. Manchmal kommen auch ganz neue Themen auf den Tisch, die ein schnelles oder unkonventionelles Handeln erfordern.

Das Eis der Routine ist an manchen Stellen sehr dünn und lässt mich stets wachsam sein. Zu wissen, welche Möglichkeiten man als Mitglied des Parlaments hat und diese unerschrocken einzusetzen, kann jedenfalls sehr hilfreich sein, um sich schnell auf neue Situationen einzustellen.

 

 

Zwei Jahre im Landtag – Keiner kämpft für sich allein

28. März 2018  Im Landtag

In den zwei Jahren im Landtag ist mir klar geworden, dass hinter jeder Rede, hinter jedem Antrag, hinter jeder Pressemitteilung die von den Abgeordneten kommt, niemals nur eine Person allein steht. Es sieht zwar von außen so aus, als wäre man am Rednerpult ein Einzelkämpfer oder würde im Ausschuss allein aus Überzeugung für eine bestimmte Sache kämpfen. Hinter diesen Aktionen stehen aber viele andere Menschen, die im Hintergrund arbeiten.

Pressesprecher helfen bei Presseanfragen oder Pressemitteilungen, Hintergrundgesprächen und Interviews. Die wissenschaftlichen Referenten der Fraktionen helfen bei fachlichen Fragen, recherchieren Fakten, schreiben Reden, bereiten Ausschüsse vor und nach. Die Leute in den Geschäftsstellen der Fraktionen helfen bei organisatorischen Dingen, planen Sitzungen, kümmern sich um Kleine Anfragen, führen Kalender mit Fraktionsterminen.

Die Kollegen in der Landtagsverwaltung erstellen Drucksachen, sorgen dafür, dass die Post bei allen ankommt, organisieren Ausschusssitzungen, helfen bei rechtlichen Fragen, machen die Abrechnung von Fahrtkosten.

Und oft sind es auch externe Helfer, die mit ihrem Wissen, ihren Anregungen, manchmal auch mit Wut und Frustration zu einem kommen und dabei helfen, Dinge besser zu machen.

Ich bin immer wieder überrascht, aus welchen Ecken Unterstützung kommt, wer an die Bürotür klopft, anruft oder nach einem gemeinsamen Termin fragt. Manchmal ergeben sich ganz ungewohnte und unerwartete Kooperationen. Menschen, von denen ich früher mal dachte, dass es bestimmt toll wäre, sich mal mit ihnen auszutauschen, sitzen mir nun gegenüber und beantworten meine Fragen. Kollegen, die politisch vollkommen anders denken, finden Gemeinsamkeiten, bieten Unterstützung an und erzählen von ihren Erlebnissen.

Ich habe schon oft die Erfahrung gemacht, dass sich gerade ehemalige Landespolitiker sehr offen zeigen und erfreut sind, wenn sie um Rat und Meinung gefragt werden. Das ist doch eine super Symbiose: Ich lerne etwas und mein Gegenüber kann an aktuellen Entwicklungen teilhaben.

So funktioniert es wohl, das politische Geschäft. Es geht um Netzwerke, um Wissen, Erfahrungen, Motivation. Es geht darum, zu verstehen, wer mit wem warum welche Entscheidungen trifft, wer einem helfen kann, bestimmte Ziele zu erreichen und wer eher nicht. Man darf nicht müde werden, Fragen zu stellen und offen für andere(s) zu sein. Egal, wie niederschmetternd, traurig, ernüchternd oder frustrierend ein Tag war, es gibt immer Menschen, die hinter einem stehen und einem die Hand reichen. Wer etwas erreichen will, ist auf die Unterstützung anderer angewiesen und sollte nicht vergessen, Danke zu sagen.

Also danke an alle Helfer, Unterstützer, Mutmacher, Hinweis-Geber, Visionäre, Arbeitstiere, Mentoren, Freunde, Kollegen und Anfragen-Schreiber…

 

Zwei Jahre im Landtag

26. März 2018  Fraktion, Im Landtag

Im März 2016 wurde der Landtag Sachsen-Anhalt neu gewählt. Zwei Jahre ist das jetzt her. Es kommt mir deutlich länger vor. Letztens musste ich einen Satz in meiner Rede korrigieren, weil ich versehentlich geschrieben hatte, dass wir schon über zweieinhalb Jahre dabei sind…

In den kommenden Beiträgen werde ich einen kurzen Überblick über meine Zeit im Parlament geben, werde berichten, was bisher passiert ist, was ich erreicht habe, was gut gelaufen ist und was weniger gut. Es wird einige lustige Einblicke geben und auch einige kritische Passagen. Langweilig war es bisher jedenfalls nicht.

Die Fraktion in aktueller Besetzung – auch hier hat sich in zwei Jahren bei Ämtern und Mandatsträgern einiges verändert

Wer will fleißige Handwerker sehen?

20. März 2018  Fachpolitik

Die Finanzpolitiker im Landtag müssen sich nicht nur mit Zahlen, Geldflüssen und Haushaltsplänen beschäftigen, sondern auch mit den Themen Hoch- und Tiefbau. Wir sind zwar nicht der Bauausschuss, wohl aber der Bau-Freigabeausschuss. Überall stehen Investitionen an, sind Um- oder Ausbauten geplant, sollen teils sogar neue Gebäude im Auftrag des Landes entstehen.

Der Finanzausschuss ist also bei Bauten mit Landesgeld die letzte Instanz. Uns werden alle Unterlagen vorgelegt, Untersuchungen präsentiert, Kostenstrukturen erklärt. Das Finanzministerium ist für Bauten zuständig und beauftragt den Landesbetrieb “Bau- und Liegenschaftsmanagement Sachsen-Anhalt” (BLSA) mit allem, was Immobilien des Landes betrifft.

Aufgabe des BLSA ist die Optimierung des Immobilienmanagements des Landes, also Entscheidungen über Erwerb/Neubau, Nutzung/Bewirtschaftung, Umbauten/Erweiterungsbauten und Abriss/Verwertung zu treffen. So können durch gezielte Ausnutzung landeseigener Immobilien Fremdanmietungen gesenkt und nicht mehr benötigte Grundstücke schneller verkauft werden. Das entlastet den Landeshaushalt und macht Mittel für Investitionen frei.

Momentan baut und saniert das Land u.a. an den beiden Universitäten in Halle und Magdeburg, bei der Polizei (Direktion Nord), am Landesamt für Umweltschutz, an der Landesschule Pforta, beim Landesamt für Verbraucherschutz und an der Hochschule Anhalt. Überall dort sind nach unserer Zustimmung im Finanzausschuss fleißige Handwerker unterwegs.

Nicht mit allen Vorhaben und Vorlagen des Landes sind wir einverstanden, denn wir sehen mitunter Mehrkosten auf uns zukommen, die im Kostenplan nicht enthalten sind oder auch Planungen, die aus unserer Sicht nicht nachvollziehbar oder nötig sind. Wir bauen jedes Jahr mit Millionen Euro Landes-, Bundes-, und EU-Geld, das ist eine große Verantwortung. Ich hoffe, dass in den kommenden Jahren alle Bauten erfolgreich fertig gestellt werden.

Weiterbildung ohne Grenzen

16. März 2018  Fachpolitik

In den vergangenen Wochen gab es mehrere Medienberichte über Probleme bei Weiterbildungsstudiengängen an einer Hochschule des Landes. Der Landesrechnungshof hatte diverse Mängel bei der Hochschule Magdeburg-Stendal festgestellt. Diese Prüfung debattieren wir aktuell im Rechnungsprüfungsausschuss.

Außerdem ermittelt die Staatsanwaltschaft momentan an der Hochschule Anhalt wegen des Verdachts der Untreue.

Bei beiden Fällen geht es um Hochschulfinanzen und externe Dienstleister. Gerade der Weiterbildungsbereich scheint eine immer größere Rolle in den Hochschulen zu spielen. Hochschulen bieten mit Hilfe externer Anbieter Studiengänge an, die z.B. neben dem Beruf gegen eine Studiengebühr belegt werden können.

Dass in Sachsen-Anhalt so ein Angebot an den Hochschulen entsteht, war schon vor Jahren Wunsch der Politik. Man wollte damals jedoch kein Landesgeld zur Verfügung stellen, weswegen die Hochschulen für die Weiterbildungsstudiengänge Studiengebühren erhoben haben.

Dass in der Anfangsphase der Etablierung dieser Studiengänge ab dem Jahr 2004 nicht alles glatt gelaufen ist, es mitunter kaum finanzielle Gewinne für die Hochschulen gab und man teilweise gegen das Hochschulgesetz verstoßen hat, ist offensichtlich ein gut gehütetes Geheimnis gewesen. Um diesem auf den Grund zu gehen, haben wir im Februar eine Kleine Anfrage zum Thema Weiterbildungsstudiengänge gestellt. Die Antwort kam am Mittwoch.

Was ist nun dabei heraus gekommen?

  • Insgesamt gibt es 43 Weiterbildungsstudiengänge an den Hochschulen in Sachsen-Anhalt, davon 17 mit externen Kooperationspartnern. Das ergibt eine Quote von 40 Prozent.
  • Die Weiterbildungsstudiengänge an der Uni Magdeburg fallen auf – nur bei fünf von 13 Studiengängen liegen nachvollziehbare Kalkulationen für die Studiengebühren vor. Die Studiengebühren ohne Kalkulation weisen die höchsten Studiengebühren auf. Ob die Kalkulation der Studiengebühren sachgerecht erfolgt ist und deren Verbleib gerechtfertigt ist, bleibt offen.
  • Es lehrt fast ausschließlich eigenes Hochschulpersonal in den Weiterbildungsstudiengängen der Hochschulen. Fraglich ist, ob bei der Prüfung des Umfangs der Nebentätigkeit von Professoren bei einem externen Anbieter hochschulinterne Interessenkonflikte bestehen.
  • An vier Hochschulen werden nach wie vor die Gebühren durch externe Partner eingenommen. Das ist ein Verstoß gegen das Hochschulgesetz. Dort steht, dass das Geld bei den Hochschulen verbleibt.

Aus meiner Sicht wird nach Lektüre der Prüfung des Landesrechnungshofes und nach der Auswertung der Antwort auf die Kleine Anfrage deutlich,  dass die Hochschulen unter starkem Druck stehen, Weiterbildungsstudiengänge im Land zu etablieren. Weiterbildung als dritte Säule neben Forschung und Lehre an den Hochschulen ist sinnvoll, darf aber nicht zu Lasten der Hochschulen gehen. Die Studenten bezahlen zum Teil sehr hohe Gebühren für das Studium, daher sollte das System auch transparent gestaltet sein.

Dass die Landesverwaltung und die Hochschulen aktuell gemeinsam daran arbeiten, Ordnung und Einheitlichkeit in das System zu bringen, ist zu begrüßen, scheint mir jedoch längst überfällig. Der Ruf nach mehr Autonomie der Hochschulen und nach noch mehr wirtschaftlicher Eigenbetätigung der Hochschulen darf im Rahmen der Novelle des Hochschulgesetzes nicht dazu führen, dass das Weiterbildungssystem noch intransparenter wird. Das Hochschulgesetz soll im Sommer 2018 in den Landtag eingebracht werden.

Volksstimme und Mitteldeutsche Zeitung berichteten heute darüber.