Zwischen Büchern, Ärzten und Redebeiträgen

22. November 2016  Im Landtag

Diese Woche hat es wirklich in sich! Gestern habe ich im Rahmen des bundesweiten Vorlesetages in der KiTa “Heideblümchen” in Colbitz vorgelesen. Von da aus ging es weiter nach Wolmirstedt in die Schöne Schule, wo ich ebenfalls für die Kinder las. Der nächste Termin folgte dann im Landtag. Wir Finanzer trafen uns, um die Rede für die Haushaltseinbringung am Donnerstag zu besprechen. Traditionell spricht der Fraktionsvorsitzende dazu, nicht der Haushaltspolitiker, daher wird Swen für unsere Fraktion reden. Das ist für mich sehr in Ordnung, da Swen über deutlich mehr Erfahrung verfügt. Wahrscheinlich werde ich dann zur zweiten Lesung im März sprechen.

baumUm 16 Uhr ging es dann zur Abschlussveranstaltung “wahlort3” des Kinder- und Jugendringes. Es gab neben einer Diskussion über den Haushalt einen Weihnachtsbaum für unsere Fraktion, da wir die Landtagswette mit dem KJR gewonnen hatten. Dort musste ich dann aber zügig los, da ab 18 Uhr der Parlamentarischen Abend der Ärztekammer und der Unikliniken begann. Das war sehr spannend, wenn auch komisch, mit so vielen Ärzten in einem Raum.

Morgen habe ich vormittags endlich etwas Zeit, um meine Rede zum Antrag über Förderung der Verbände abschließend zu überarbeiten, um dann ab 13 Uhr an der Landtagssitzung teilzunehmen. Wir haben in diesem Sitzungszyklus so viele Anträge auf der Tagesordnung, dass wir drei statt üblicherweise zwei Tage benötigen…

Richtig anstrengend wird dann aber der Donnerstag, da sich schon um 8 Uhr die IT-Kommission des Landtages konstituiert (ja, da muss ich auch noch mitmachen). Ab 8:30 Uhr findet dann eine Schriftführerschulung statt. Dort lernen wir das Auszählverfahren nach d’Hondt, was bei der Wahl der Mitglieder für die Bundesversammlung angewandt wird. Die Mitglieder werden von den Fraktionen des Landtages benannt und müssen vom Plenum gewählt werden. Die Bundesversammlung wählt am 12. Februar 2017 den neuen Bundespräsidenten. Um 9 Uhr beginnt dann die Landtagssitzung. Da ich meine Kollegin und Schriftführerin Doreen Hildebrandt vertrete, muss ich zwei Schichten als Schriftführerin agieren, also bis ca. 15 Uhr. Das wird schwierig, da es zwischendurch keine Pause gibt und die Schriftführer vorn im Präsidium nichts essen dürfen. Eigentlich müsste ich dann ab 18 Uhr zur Mitgliederversammlung der Basisorganisation Wolmirstedt, aber das werde ich wegen der langen Sitzung nicht schaffen. Ab 20 Uhr geht es aber noch zum Parlamentarischen Abend des Landesfrauenrates.

Am Freitag wird dann gegen 12 Uhr mein Antrag “Landesförderung für zivilgesellschaftliche Arbeit sichern” behandelt. Ich bin gespannt auf die Debatte und die Argumente. Es muss eine Lösung gefunden werden, wie alle Verbände und Träger trotz später Haushaltsverabschiedung schon ab Januar 2017 Geld bekommen. Wahrscheinlich werden zu diesem Tagesordnungspunkt auch einige Jugendverbände vor Ort sein. Wenn alles klapp, ist die Landtagssitzung am Freitag dann gegen 18 Uhr beendet.

Am Samstag findet in Oschersleben mein letzter Termin der Woche statt, der Kreisparteitag für den Bördekreis. Hauptthema ist die Bundestagswahl 2017.

 

Von fliegenden Besen und klugen Ritterinnen

20. November 2016  Im Wahlkreis

bcherAm 18. November fand der bundesweite Vorlesetag statt. Ziel ist es, Begeisterung für das Lesen und Vorlesen zu wecken und Kinder bereits früh mit dem geschriebenen und erzählten Wort in Kontakt zu bringen. Erwachsene lesen Kindern in der KiTa, in Schule, im Hort oder in Buchläden und Bibliotheken vor.

Um möglichst vielen Kindern in meinen drei Wahlkreisen gerecht zu werden und auch verschiedene Altersgruppen zu beglücken, überlegten wir schon Wochen vorher, wie alles unter einen Hut zu bekommen ist. Am Freitag, also am Vorlesetag, las ich morgens zuerst Grundschulkindern in der Genthiner Bibliothek aus dem Buch “Ich, meine vier Brüder und andere Ungerechtigkeiten” vor. Das Buch wurde von der Klasse ausgesucht und verbleibt jetzt zum Ausleihen in der Bibliothek.

Nachmittags ging es dann ins Soziokulturelle Zentrum nach Burg. Dort las ich mit Hortkindern einer Förderschule aus einer wunderschön illustrierten Ausgabe von “Harry Potter und der Stein der Weisen”. Die Kinder waren so begeistert von den schönen Zeichnungen, dass ich das Buch dem Hortteam schenkte. Toll war, dass wir alle gemeinsam auf einer großen Matte saßen, umgeben von Kissen, Decken und Sitzsäcken. Das war sehr gemütlich und alle konnten gut ins Buch gucken.

Weiter geht es dann am Montag in der KiTa “Heideblümchen” in Colbitz. Dort lese ich zwei Bücher vor, die wir selbst zuhause haben und die unseren Kindern sehr gut gefallen: “Die Schnecke und der Buckelwal” und “Maulwurf und der kleine Vogel”. Außerdem nehme ich noch ein Buch mit, dass sich mit Geschlechterrollen beschäftigt. Eine bewusste Entscheidung, da es momentan im politischen Raum eine große Diskussion über den KiTa-Koffer und Gespräche mit Kindern über Geschlechterrollen und Familienmodelle gibt. Das Buch handelt von einer Prinzessin, die genauso erzogen wird, wie ihre Brüder und zum Schluss auch ganz allein entscheiden will, wen sie heiratet: “Der geheimnisvolle Ritter Namenlos”.

Gegen Mittag geht es dann in die Schöne-Schule nach Wolmirstedt. Da ich noch nicht genau weiß, wie viele Kinder kommen und wie alt sie sind, nehme ich mir einige Bücher zur Auswahl mit.

 

Haushaltstag

17. November 2016  Fachpolitik

schreibtischEndlich! Zwischen all den aktuellen Ereignissen ist es mir nun doch gelungen, einen Haushaltstag einzulegen. Also keinen Putztag, sondern ein Tag mit den Haushaltsplänen.

Tatsächlich habe ich heute zwei  von ungefähr 20 Plänen geschafft. Als Jugendpolitische Sprecherin ist für mich der Plan des Sozialministeriums besonders relevant, also kam dieser als erster dran.

Die Aktivitäten des Landes sind auf vielen Seiten in Kapitel, Titel, Hauptgruppen, Einnahmen, Ausgaben, Zweckbestimmungen, Ansätzen, Verpflichtungsermächtigen usw. geordnet. Manchen Pläne sind mehrere hundert Seiten dick, da ist es gut, wenn man ungefähr weiß, wie der Plan aufgebaut ist, wo sich z.B. Studien und Gutachten verstecken, wo die Personalausgaben zu finden sind oder wo eine Globale Minderausgabe eingeplant wird.

Um all die Zahlen, Beschreibungen, Verschiebungen, Paragraphen und Stellenpläne zu verstehen, braucht es eine Menge Zeit. Da ich immer noch viele Fragen habe, ist es gut, dass ich Kollegen anrufen kann, die mir helfen und mir Dinge erklären. Gut ist auch, sich als Vergleich die Haushalte der vergangenen Jahre dazu zu nehmen. Manchmal erklären sich die Zahlen dann von allein.

Ich habe mir alle unklaren, merkwürdigen oder kritikwürdigen Stellen mit Marker und Klebezettel markiert. In den nächsten Tagen gleiche ich meine Fragen mit den Ausarbeitungen der Kolleginnen und  Kollegen (z.B. aus dem Gesundheits- oder Integrationsbereich) ab und dann sind wir gut vorbereitet für die Haushaltsverhandlungen.

Für Haushaltspolitiker ist der Aufwand zur Vorbereitung der Verhandlungen sehr hoch. Die anderer Fachpolitiker müssen sich ein oder zwei Pläne ganz genau anschauen, um sich zu ihrem Themenfeld äußern zu können, wir hingegen müssen von allen Plänen zumindest ein bisschen Ahnung haben, die wichtigsten Knackpunkte kennen und den Aufbau der Pläne kennen.

Die Verbindungstür

15. November 2016  Im Landtag

Manchmal sind es kleine, unwichtig scheinende Details, die den Ausschlag für eine erfolgreiche Arbeit geben. Daher hier heute eine kleine Hommage an die Verbindungstür zwischen den Finanzerbüros.

Nach der Wahl, als es nach Wochen endlich zur Raumvergabe kam, hatte ich dafür plädiert, dass ich ein Büro direkt neben dem Finanzreferenten bekomme. Das war nicht einfach, hat dann aber nach einigem Hin und Her funktioniert.

Das Arbeiten wird durch die räumliche Nähe deutlich erleichtert. Wir erarbeiten uns manchmal einfach durch Zurufen neue Kleine Anfragen (sicher sehr zur Freude der Ministerien), können Unterlagen unproblematisch austauschen, ungehindert kommunizieren und manchmal auch Generalkritik üben. Wenn einer von uns Ruhe haben will, wird die Tür einfach zugemacht. Hätten wir Büros auf unterschiedlichen Fluren oder auch nur eine Wand dazwischen, wären wir nicht so schnell und auch lange nicht so gut. Die Teamarbeit wird durch den Durchbruch zwischen den Büros deutlich erleichtert.

Toll, dass wir die Möglichkeit haben, unter so guten Rahmenbedingungen zu arbeiten. Danke an den Kollegen, der extra für uns das Büro tauschte!

Die Sache mit der doppelten isw

11. November 2016  Fachpolitik

hhpeEigentlich wäre ich gerade mit dem Europaausschuss von der Ausschussreise zurückgekommen. Gut, dass ich mich gegen die Reise entschieden habe. Es wurde eine Woche, die mit jedem Tag an Fahrt zunahm, denn die für den frisch gedruckten Haushaltsplanentwurf angedachten Arbeitsstunden wurden aufgefressen durch Reaktionen auf aktuelle Ereignisse.

Am Dienstagnachmittag lag die Antwort auf die Kleine Anfrage zur „Vergabe von Gutachten und Beraterverträgen an das Institut für Strukturpolitik und Wirtschaftsförderung gGmbH Halle (ISW)“ in meinem Postfach. Die Anfrage hatte ich bereits im September gestellt und mit der Landesregierung zur ordnungsgemäßen Beantwortung eine Acht-Wochen-Frist vereinbart. Wie üblich, erhielt ich ein Vorabexemplar, mit dem ich arbeiten kann, bevor die Antwort im Internet veröffentlicht wird.

In der Anfrage habe ich konkret nach dem „Institut für Strukturpolitik und Wirtschaftsförderung gGmbH Halle“ gefragt. Was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht realisiert hatte, es gibt noch eine isw mbH.

In der Vorbemerkung des Finanzministeriums zur Kleinen Anfrage heißt es: „Weiterhin ist zu vermerken, dass neben der ISW gGmbH auch eine ISW mbH mit gleicher Geschäftsführung existiert, mit der ebenfalls Aufträge realisiert wurden. Diese Aufträge sind in die Beantwortung mit einbezogen worden.“

Kurz zusammengefasst: Beide Firmen haben dieselbe Anschrift in Halle, in beiden Firmen sind fast deckungsgleich die selben Personen verantwortlich und die Arbeitsfelder sind sehr ähnlich. Ungewöhnlich ist, dass das Finanzministerium in der Beantwortung der Anfrage auf diesen Aspekt hinweist und auch noch so umfänglich antwortet. Bei vorherigen Antworten zu anderen Themen hatte ich den Eindruck, als wolle man so wenige Informationen wie möglich preisgeben.

Ich hatte unter anderem gefragt, wann im Zeitraum ab 2004 Verträge vergeben wurden, wer Auftraggeber war, zu welchem Zweck die Verträge abgeschlossen wurden und mit welchem finanziellen Rahmen.

Bei der Auswertung wurde schnell klar: Es ist viel Geld geflossen, ein Großteil davon ohne Ausschreibung durch die Investitionsbank und es wurden immer wieder Daten von Landesbehörden eingekauft, die das Land auf direktem Wege deutlich preiswerter erhalten hätte können.

Nachdem ich mit dem ersten Journalisten über die brisanten Informationen gesprochen hatte (parallel wurde gerade einer der dort aufgelisteten Verträge in der Presse ausgewertet), kamen nach und nach immer mehr Medienanfragen bei mir an. Bis Freitagabend habe ich mit dem MDR-Hörfunk, MDR-Fernsehen, der Volksstimme und der Mitteldeutschen Zeitung gesprochen. Mit einigen sogar mehrmals, da sich heute neue Akteure zu Wort meldeten, auf die ich unbedingt reagieren musste.

tweetEinige Stunden nach all dem Wirbel kam dann heute per Twitter eine Nachricht bei mir an: Wirtschaftsminister Felgner soll zurücktreten.

Mit einer Rücktrittsdebatte ist nun aber nicht plötzlich alles gut. Momentan beschäftigen wir uns im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss mit dem Vertrag aus dem Jahr 2013, der damals vom Finanzstaatssekretär Felgner unterschrieben wurde. Es sind aber bei weiteren Verträgen auch noch andere Ministerien in die merkwürdige Vergabepraxis involviert. Darunter auch CDU geführte Häuser.

Wir Abgeordnete müssen all das jetzt ans Licht bringen, aufklären, Konsequenzen fordern und dafür sorgen, dass solche Vergaben in Zukunft nicht mehr möglich sind. Und wir müssen die Kompetenz der eigenen Kolleginnen und Kollegen in der Verwaltung stärken. Nur dann sind wir nicht mehr so umfangreich auf Beraterleistungen angewiesen.

Mich ärgert an der Sache vor allem, dass wir offensichtlich über viele, viele Jahre etliche Millionen für Studien, Beratungen und Gutachten gezahlt haben, mit teils fragwürdigen oder nicht nachweisbaren Ergebnissen. Aber für die Menschen in unserem Land, für Kinder, Jugendliche, Lehrer, Polizisten, Hausärzte oder auch Schulen hatten wir nicht ausreichend Mittel zur Verfügung. Das darf so nicht weitergehen.