Drei Tage lang Debatten

17. Mai 2019  Fachpolitik, Im Landtag

Kurz vor der Europa- und Kommunalwahl findet in der kommenden Woche noch eine Landtagssitzung statt. Die Fraktionen haben mal wieder so viele Initiativen eingereicht, dass wir die Sitzung um einen halben Tag verlängern müssen und schon am Mittwoch um 14 Uhr beginnen.

Von uns sind 14 Initiativen auf der Tagesordnung, wobei einige davon aus den Ausschüssen wieder zurück in den Landtag kommen. Neu eingereicht haben wir unter anderem Anträge zu den Themen Unikliniken, Jugendaustausche in Europa, Kinderhospize und Alleenschutz. Von uns Finanzern kommen außerdem Anträge zum Schwimmbadfonds und zum neuen Staatsvertrag der NORD/LB.

Damit alle Kinder schwimmen lernen können, beantragen wir einen Schwimmbadfonds zur Sicherung von Schwimm- und Freibädern. Foto: pixabay

Den Schwimmbadfonds hatte ich an dieser Stelle schon mal angesprochen. Uns geht es mit dem Antrag darum, kommunale Schwimmbäder besonders im ländlichen Bereich zu erhalten. Da der Betrieb von Schwimm- bzw. Freibädern eine freiwillige Aufgabe der Kommunen ist, kann von uns nicht vorgeschrieben werden, dass diese vorgehalten werden müssen bzw. in welcher Höhe sie finanziert werden können. Wenn wir das als Landtag verpflichtend festlegen würden, müssten wir die Schwimmbäder auch mit Landesmitteln finanzieren.

Wir wollen den Erhalt von Schwimmbädern an den Schwimmunterricht in Schulen koppeln. Dass Schwimmunterricht in den Grundschulen erteilt wird, ist verpflichtend im Lehrplan geregelt. Es muss also wohnortnah Einrichtungen geben, in denen Schwimmunterricht erteilt werden kann. Um die Kommunen bei der Finanzierung dieser Einrichtungen zu unterstützen, wollen wir für die Jahre 2020 und 2021 jeweils 5 Millionen Euro Landesmittel zur Verfügung stellen. Der Antrag wird von mir eingebracht.

Der Antrag zum Staatsvertrag der NORD/LB stellt Swen Knöchel im Plenum vor. Hintergrund des Antrages ist eine notwendig gewordene Änderung des Staatsvertrages wegen der finanziellen Notlage der Bank. Der Staatsvertrag soll am 3. Juni von den Ministerpräsidenten Niedersachsens und Sachsen-Anhalts unterschrieben werden. Erst nach der Unterschrift wird dieser den Parlamenten der beiden Länder diskutiert. Das wird bei uns Ende Juni sein. Weswegen stellen wir nun schon vorher einen Antrag? Wir haben als Parlament bis zum 31. Mai Zeit, um uns zum Entwurf des Staatsvertrages zu äußern. Diese Stellungnahme geht dann an die beiden Landesregierungen. Im Zweifel müsste der Staatsvertrag auf Grundlage der Stellungnahmen angepasst werden. Da sich der Finanzausschuss in seiner letzten Sitzung nicht auf eine Stellungnahme einigen konnte (oder besser: keine Stellungnahme erarbeitet hat), legen wir nun unseren Vorschlag einer Stellungnahme vor. Wir sind beispielsweise nicht damit einverstanden, dass die Regierungen ohne Mitwirkung der Parlamente über eine Privatisierung der Bank entscheiden können.

Ein weiterer Antrag wird sich mit der Bewilligung von Zuwendungsbescheiden im Jugendbereich beschäftigen. Er baut auf einen Antrag auf, den ich zu diesem Thema bereits im Jahr 2016 in meiner Funktion als Jugendpolitische Sprecherin gestellt habe. Seit dem Jahr 2016 habe ich vierteljährlich den Stand der Bewilligungen abgefragt, um Veränderungen bzw. Verbesserungen beim Bewilligungszeitraum überprüfen zu können. Die Auswertung der Kleinen Anfragen hat ergeben, dass sich kaum etwas verändert hat. Er Großteil der Vereine erhält nach wie vor erst im II. oder III. Quartal einen Zuwendungsbescheid. So geht es nicht, daher dieser Antrag.

 

Im Wahlkampfmodus

13. Mai 2019  Im Wahlkreis, Vor der Wahl

Die Kommunal- und Europawahlen nähern sich langsam aber sicher. Überall werden Plakate gehängt, Flyer verteilt, finden Wahlstände und Veranstaltungen statt.

Bei gutem Wetter mit schönen Plakaten macht die Arbeit Spaß. Mal schauen, wie viele davon nach der Wahl noch hängen…

Wie in den bisherigen Wahlkämpfen war ich gemeinsam mit einer Kollegin aus der Börde unterwegs, um Plakate im Bereich der Niederen Börde zu hängen.

Dieses Mal waren wir beide sehr zufrieden mit der Auswahl der Wahlplakate unseres Landesverbandes. Wir haben wichtige Themen wie ärztliche Versorgung, öffentlichen Personennahverkehr, Digitalisierung, Schulstrukturen, Abschaffung von Straßenausbaubeiträgen und Erhalt von Schwimmbädern optisch sehr symphatisch und verständlich umgesetzt.

Da ich selbst kein kommunales Mandat anstrebe, versuche ich, meine beiden Kreisverbände so gut wie möglich zu unterstützen. Insgesamt war es nicht ganz einfach, in allen Bereichen Kandidatinnen und Kandidaten für die Kommunalwahl zu finden. Für das ehrenamtliche Mandat braucht man viel Zeit, Nerven und Durchhaltevermögen. Zwar gelingt es gerade in den großen Städten Magdeburg und Halle auch junge Menschen zu motivieren, im ländlichen Raum sieht das aber ganz anders aus. Ich freue mich daher, dass unsere Bemühungen mit Informationsveranstaltungen im Jerichower Land junge Menschen für die Arbeit auf kommunaler Ebene zu begeistern, tatsächlich an einigen Stellen gefruchtet haben.

Ich bin gespannt auf die Gespräche an den vielen Wahlständen die wir in den nächsten Tagen noch in Wolmirstedt, Genthin, Möser, Biederitz, Burg und Gommern aufbauen werden und hoffe, dass wir wieder Mandate in Kreistagen, Gemeinderäten, Ortschaftsräten und Stadträten gewinnen können.

Lange Diskussionen im Finanzausschuss

08. Mai 2019  Fachpolitik, Im Landtag

Der heutige Finanzausschuss sorgte schon im Vorfeld für Wirbel. Volksstimme und Mitteldeutsche Zeitung berichteten über Vergabe-Probleme mit dem Landessportbund. Gestern kam dazu endlich eine seit Oktober geforderte Vorlage vom Innenministerium. Darin wird uns mitgeteilt, dass der Landessportbund beim Abschluss von Verträgen gegen Vergaberecht verstoßen hat. Leider hat man das erst bei einer eingehenden Prüfung festgestellt und auch bemerkt, dass die Verwaltung Fehler gemacht hat. Das Geld, was nun eigentlich zurückgezahlt werden müsste, kann man nun nicht zurückfordern. Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass so etwas in Zukunft nicht mehr passiert. Die zuständige Staatssekretärin des Innenministeriums stand uns heute gut eineinhalb Stunden Rede und Antwort. Der Landessportbund beschäftigt uns schon seit Jahren und eigentlich dachten wir, dass langsam alle Probleme beseitigt sind. Dass das offensichtlich nicht so ist, erregte heute die Gemüter und führte zu lauten und emotionalen Diskussionen. Spätestens zu den Haushaltsverhandlungen müssen uns Konsequenzen und Zahlen vorliegen, ansonsten muss über eine andere Art der Förderung nachgedacht werden.

Beraten wurde heute auch über unseren Antrag bezüglich der Parlaments-Beteiligung bei der Verteilung von EU-Mitteln. Obwohl sich ein Großteil des Ausschusses einig war, dass eine Mitwirkung und bessere Information des Parlaments notwendig ist, wurde nun der Gesetzgebungs- und Beratungsdienst (GBD) des Landtages um eine rechtliche Prüfung gebeten. Diese wird wahrscheinlich erst im August vorliegen. Dieser Umweg über den GBD ärgert mich. Man hätte das alles einfach und schnell machen können, hat sich nun aber für langsam und kompliziert entschieden. Das ist frustrierend und kräftezehrend, die Hoffnung auf eine positive Entscheidung des Ausschusses habe ich aber noch nicht aufgegeben.

Nach langem Warten erreichte uns vor einigen Tagen der Entwurf des Staatsvertrags zur NORD/LB. Wir haben als Parlament nun bis zum 31. Mai Gelegenheit, eine Stellungnahme abzugeben. Nach erster Prüfung kann ich sagen: Wir sind nicht einverstanden mit dem Vertrag, da dort die Tür für eine Privatisierung der Bank sehr weit geöffnet wird und wir als Parlament in diese Entscheidung nicht einbezogen werden sollen. Wenn privatisiert werden soll, können das die Landesregierungen von Niedersachen uns Sachsen-Anhalt unter sich ausmachen. So geht das nicht. Das dazugehörige Gesetz soll in erster Lesung im Juni behandelt werden und dann noch mal im August. Zwischendrin wird es sicher noch heiße Diskussionen geben.

Beschwerdebrief vom Staatssekretär

04. Mai 2019  Fachpolitik, Im Landtag

Im Laufe der Legislatur häuft sich bei uns Abgeordneten ein riesiger Aktenberg an. Manche Drucksachen haben hunderte Seiten, wie Gesetzesentwürfe, Gutachten, Synopsen und allerlei Schriftverkehr mit diversen Ministerien. Manche Sachverhalte bedürfen auch nur sehr wenig Papier, wie ich letztens belustigt feststellen konnte.

Im März hatte ich an dieser Stelle einen Beitrag geschrieben mit dem Titel “Am langen Arm verhungert“. Darin ging es um die Verweigerungshaltung und Desinformation eines Staatssekretärs dem Rechnungsprüfungsausschuss gegenüber. Da dies schon mehrfach vorgekommen ist, wurde ich in der März-Sitzung des Ausschusses sehr deutlich und unterstellte dem Staatssekretär mangelnden Respekt dem Ausschuss gegenüber, was dieser mit einem gepfefferten Kommentar parierte. Es gab also dicke Luft an diesem Tag. Bei dicker Luft sollte es aber nicht bleiben.

Video: giphy.com

In einem offiziellen (und sehr kurzen) Schreiben an den Rechnungsprüfungsausschuss teilte jener Staatssekretär nun mit, warum die von mir geforderten Unterlagen dem Ausschuss nicht übergeben werden konnten. Besonders gelacht habe ich, weil der Einleitungssatz mit “zu dem von der Abgeordneten Frau Heiß … erhobenen Vorwurf…” beginnt und mit “…den von der Abgeordneten Frau Heiß erhobenen Vorwurf…” endet.

Scheint so, also würde die “Abgeordnete Frau Heiß” mal wieder für Ärger sorgen und den zuständigen Staatssekretär zu einem solchen Schreiben veranlassen. Das ist auch deswegen erstaunlich, weil der Umgangston im Finanz- und Rechnungsprüfungsausschuss üblicherweise von der anderen Oppositionspartei dominiert wird. Von deren Abgeordneten hat noch nie einer ein offizielles Beschwerdeschreiben erhalten. Ich schmunzele nun etwas und hoffe, die Kollegen sind wegen der Missachtung ihrer rhetorischen Leistung nicht beleidigt.

Der etwas andere Ausschuss

17. April 2019  Fachpolitik

Wegen der Themenvielfalt, die wir im politischen Raum abdecken, bildet der Landtag in jeder Legislatur ständige und zeitweilige Ausschüsse. In der aktuellen Wahlperiode verfügt der Landtag über elf ständige Ausschüsse, das sind die Ausschüsse, die spiegelbildlich die Themen der Ministerien wiedergeben. Außerdem gibt es Ausschüsse, die nur für eine bestimmte Zeit oder ein bestimmtes Thema eingesetzt werden, wie zum Beispiel die Untersuchungsausschüsse.

Und dann gibt es noch einen etwas anderen Ausschuss. Hier sind wir Abgeordneten nur Gast, im Gegensatz zu all den anderen Ausschüssen, wo wir quasi die Hausherren (und -damen) sind. Es handelt sich um den Landesjugendhilfeausschuss (LJHA).

Dieser Ausschuss ist ein Teil des Landesjugendamtes, also in die Verwaltungsstruktur des Landes eingegliedert. In diesem Ausschuss haben die Abgeordneten (je einer pro Fraktion) nur eine beratende Stimme, können also bei Beschlüssen nicht mit abstimmen. Wir können die anderen Ausschussmitglieder aber beraten, aus dem Landtag berichten und Fragen zu den politischen Schwerpunkten beantworten. Außerdem können wir an Unterausschüssen mitarbeiten.

Digitalisierung und Jugendschutz werden im Ausschuss ebenso besprochen wie Jugendbildung und Alphabetisierung. Foto: pixabay

Die stimmberechtigten Mitglieder des Ausschusses stammen von freien Trägern im Land. Die genaue Zusammensetzung ist im Sozialgesetzbuch VIII und im Kinder- und Jugendhilfegesetz des Landes verankert.

Der LJHA tritt mindestens sechs Mal im Jahr ganztägig in Halle oder Magdeburg zusammen. Er befasst sich mit allen Aufgaben der Jugendhilfe, von der Kindertagesbetreuung über Schulsozialarbeit bis hin zur Jugendverbandarbeit und offenen Angeboten für junge Menschen. Er gibt Empfehlungen und bietet Beratung für die Tätigkeit der Jugendämter an, insbesondere für die Zusammenarbeit mit den Trägern der freien Jugendhilfe sowie für die Förderung und öffentliche Anerkennung dieser Träger.

Außerdem beschließt der Ausschuss über die Verwendung der vom Land bereitgestellten Mittel. Das heißt, der Ausschuss kann festlegen, was im Bereich der Jugendhilfe in den kommenden Jahren gefördert werden soll. Das ist ein großer Diskussionspunkt zwischen Ausschuss, Landesjugendamt und Sozialministerium, da das Haushaltsaufstellungsverfahren an sich schon recht kompliziert ist und es mitunter nicht gelingt, alle Beschlüsse des LJHA in die Planung des Ministeriums einfließen zu lassen.

Ich finde es spannend zu sehen, auf welch hohem Level dort diskutiert wird und wie viel Arbeit in den Vorschlägen und Beschlüssen des Ausschusses steckt. Die Arbeitsweise und der Umgang miteinander sind deutlich anders als in den Landtagsausschüssen. Ich bin gern in dem Ausschuss und profitiere sehr von dem Austausch mit den Fachfrauen und -männern.