Lust und Frust im Unterausschuss

11. März 2017  Fachpolitik

Einer der vier Ausschüsse, dem ich regelmäßige beiwohnen kann, ist der Unterausschuss Rechnungsprüfung. Er wird vom Finanzausschuss eingesetzt und besteht aus einem Teil der Mitglieder des Finanzausschusses (pro Fraktion ein Abgeordneter). Während der Finanzausschuss vorrangig für die Bewilligung von Mitteln zuständig ist, prüft der Rechnungsprüfungsausschuss unter anderem den Vollzug der Ausgaben und beschäftigt sich mit den Prüfberichten des Landesrechnungshofes. Die Prüfberichte des Rechnungshofes nehmen einen Großteil der Sitzungszeit ein.

Die jährlich erscheinenden Prüfungsberichte beschäftigen sich mit besonders brisanten Fällen von Geldverschwendung, Misswirtschaft und Gesetzesverstößen. Damit es nicht allein bei der Kritik des Rechnungshofes bleibt, wird im Rechnungsprüfungsausschuss festgelegt, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, um solche Vorgänge zukünftig zu verhindern.

Leider sind die Inhalte dieses Ausschuss überaus frustrierend. Jeder Tagesordnungspunkt ist ein Fehltritt der Landesregierung und / oder der Landesverwaltung. Diese aufzuzeigen, ist Aufgabe des Landesrechnungshofes. Daher sind die Jahresberichte des Landesrechnungshofes auch gefürchtet. Niemand freut sich, wenn in seinem Bereich ein Fehltritt an die Öffentlichkeit kommt.

Nach dem Bekanntwerden der Untersuchungen übernehmen die Parlamentarier die Berichte und diskutieren im Ausschuss über aktuelle Entwicklungen, mögliche Konsequenzen und weitere Schritte.

Auf dem Tisch hatten wir unter anderem das Missmanagement bei der IBG, Verstöße bei der Finanzierung der Jahnhalle Wolmirstedt, finanzielle Mehrbelastungen bei der JVA Burg, Transparenz bei der Sportförderung, den Ersatzneubau des Kurt-Wabbel-Stadions in Halle und das Problem bei der Verwendung von Fördermitteln in einem Kinder- und Erholungszentrum. Das sind alles Fälle, die in den vergangenen Jahren durch die Presse gingen und für Kritik sorgten.

Erschreckend ist, mit welchem Selbstbewusstsein und welcher Kritikunfähigkeit die Verwaltung dort mitunter auftritt. Es wird sogar gegen den Landesrechnungshof, die EU oder die Parlamentarier gewettert.

Wenn man das alles in einem Ausschuss behandelt, kann man schon den Glauben an die Wirkung von Recht und Gesetz verlieren. Ich hoffe trotzdem, dass die intensive Arbeit im Unterausschuss Früchte trägt und weitere Missstände verhindert.

 

 

Haushaltsabschluss mit Generaldebatte

05. März 2017  Fachpolitik

Nun ist es endlich geschafft! Der Haushalt ist verabschiedet und die Ministerien können in den kommenden Wochen das Geld verteilen. Das ist besonders für alle Bereiche mit Fördermitteln wichtig. Dort konnten bisher nur eingeschränkt Projekte umgesetzt werden.

Um den Haushalt, also korrekt das Haushaltsgesetz, im Landtag zu verabschieden, sind zwei Lesungen des Gesetzes notwendig. Die erste Lesung erfolgte im November, die zweite Lesung am vergangenen Freitag. Bei der zweiten Lesung werden alle Einzelpläne nacheinander aufgerufen und abgestimmt. Zum Schluss erfolgt dann eine Schlussabstimmung über den gesamten Haushalt.

Traditionell erfolgt dort auch die so genannte „Generaldebatte“. Bei dieser Debatte, die eine der wichtigsten im Haushaltsjahr ist, wird ganz generell über das Große und Ganze gesprochen, redet sich die Koalition den Haushalt gut und die Opposition kritisiert die kleinen und großen Ungereimtheiten.

Anders als bei üblichen Debatten, bei den der Einbringer 15 Minuten und alle anderen Redner 5 Minuten Zeit zum Sprechen haben, gibt es in der Haushaltsdebatte eine deutlich verlängerte Redezeit. Zu den Redezeiten gibt es in der Geschäftsordnung klare Vorgaben. Die so genannte Redezeitstruktur gibt 10 Möglichkeiten für Debatten vor. In der Regel gilt, je größer die Fraktion, desto länger ist die Redezeit.

Für die Haushaltsdebatte haben wir uns auf die Struktur „H“ geeinigt, also insgesamt vier Stunden. Meine Redezeit betrug 33 Minuten.

Ich finde, eine Rede sollte informativ, unterhaltsam und kurzweilig sein. Das ist bei so einem umfänglichen Thema gar nicht einfach. Daher hatte ich schon sehr früh in den Haushaltsverhandlungen angefangen, mir hin und wieder Notizen für die Rede zu machen, zu inhaltlichen Schwerpunkten, Diskussionsverläufen und unterhaltsamen Begebenheiten. Das half mir später, einen Überblick zu bekommen. Trotzdem habe ich mich ziemlich gequält. Die Fachpolitiker in der Fraktion erwarten natürlich, dass alle ihre Themen genannt werden. Das geht aber nicht bei über 20 Einzelplänen. Es galt, Schwerpunkte zu setzen und trotzdem alle Interessen zu wahren. Ein echter Drahtseilakt.

Traditionell reden bei der Abschlussrede entweder die Fraktionsvorsitzenden der Parteien oder die Finanzer. Diesmal gab es einen Mix. Bei der Koalition redeten die Vorsitzenden, bei der Opposition die Finanzer. Das hatte den Vorteil, dass zumindest die Finanzer ganz genau wussten, worüber sie reden. Die Fraktionsvorsitzenden waren natürlich nicht die ganze Zeit bei den Verhandlungen dabei und konnten deswegen weder alles wissen noch mit Authentizität glänzen.

Hier finden sich alle Beiträge der Redner. Und hier das Video zu meiner Rede:

 

Der MDR berichtete am Freitag darüber, die Volksstimme am Samstag.

Gutachten, Studien, Beraterverträge – Wie 50 Millionen Euro am Landtag vorbei vergeben wurden

11. Februar 2017  Fachpolitik

Es ist immer wieder erstaunlich, was durch einfache Fragen an die Landesregierung so alles heraus kommen kann. Am 30. November 2016 schrieben wir eine Kleine Anfrage mit genau zwei Fragen. Wissen wollten wir, welche Verträge der Landesregierung und der Landesgesellschaften zwischen 2006 und 2016 nicht dem Finanzausschuss vorgelegt wurden.

Vergangene Woche kam die 20-seitige Antwort. Insgesamt wurden in dem von uns gefragten Zeitraum 152 Verträge (Beraterverträge, Gutachten, Studien) ohne Beteiligung des Finanzausschusses vergeben. Zusammengerechnet kommt ein Auftragswert von über 50 Millionen Euro zusammen.

Warum ist das schlimm? 50 Millionen Euro sind eine Menge Geld. Damit könnte man im Land viele Finanzierungslöcher stopfen, z.B. beim Lehrerpersonal oder bei den dringend notwendigen Investitionen in Krankenhäuser.

Deswegen ist fraglich, ob alle Gutachten, Studien und Verträge tatsächlich notwendig gewesen sind und ob die Landesverwaltung die vergebene Arbeit nicht günstiger hätte selbst erledigen können. Außerdem hat der Landtag beginnend mit einem Beschluss im Jahr 2004 mehrfach und wiederholt Beschlüsse zur Vorlage von Gutachten, Studien und Beraterleistungen gefasst. Diese Beschlüsse sind für die Ministerien bindend.

Die Beschlüsse sagen, dass Aufträge ab einem Wert von 5.000 Euro von der Staatssekretärskonferenz gebilligt werden müssen. Ab einem Auftragswert von 20.000 Euro muss außerdem der Finanzausschuss zustimmen. Meistens wird der Abschluss des Vertrages von beiden Gremien recht unproblematisch gebilligt. Trotzdem scheint der Aufwand für die Ministerien ziemlich groß zu sein, da immer wieder Verträge ohne Kenntnis der Landtags vergeben werden.

Beitrag bei MDR Sachsen-Anhalt heute am 10. Februar

Interessant sind dabei die unterschiedlichen Begründungen / Ausreden der Ministerien:

Im Bildungsministerium wurden drei Aufträge im Gesamtwert von 325.000 Euro angeblich aufgrund interner Pannen ohne Beteiligung des Finanzausschusses vergeben.

Das Sozialministerium hat am 1. Juni 2016 eine Studie im Wert von 36.300 Euro in Auftrag gegeben. Begründung: Die Beteiligung des Finanzausschusses war nicht möglich, weil dieser sich bei Vertragsschluss noch nicht konstituiert hätte. Datum der Konstituierung des Finanzausschusses war der 1. Juni 2016.

Das Wirtschaftsministerium begründet die Nichtvorlage eines Gutachtens im Wert von 120.000 Euro damit, dass das Vorhaben schließlich im Koalitionsvertrag benannt worden sei.

Insgesamt wurden Verträge im Wert von rund 23 Millionen von den Ministerien vergeben. Die restlichen 27,5 Millionen wurden von den Landesgesellschaften vergeben. Für diese gibt es bisher keine Einschränkungen zur Vergabe von Aufträgen. Die Ministerien nehmen also offensichtlich hin und wieder die Landesgesellschaften in Anspruch und vergeben über sie unproblematisch Aufträge. Die Nahverkehrsgesellschaft Sachsen-Anhalt (NASA) hat beispielsweise allein 7,1 Millionen Euro für externe Beratung verausgabt. Sie gehört zum Zuständigkeitsbereich des Verkehrsministeriums.

Was also tun, um die genannten Praktiken zu unterbinden?

Auch die Vergaben der Landesgesellschaften sollten kontrolliert werden.

Grundsätzlich brauchen wir wieder mehr eigene Kompetenzen in der Landesverwaltung, um nicht ständig teure Dienstleister in Anspruch nehmen zu müssen. Zusätzlich müssen wir mehr gut ausgebildetes Personal einstellen.

Heute berichtete die Volksstimme darüber. Der MDR hat in den vergangenen Tagen sowohl im Internet als auch im Fernsehen (siehe oben) über unsere Recherchen berichtet.

 

 

Alle eine Frage der Zeit

05. Februar 2017  Im Landtag

Auch in dieser Woche gab es wieder interessante, amüsante und vor allem sehr anstrengende Haushaltsberatungen. Wir haben viele Ungereimtheiten im Bildungshaushalt aufgedeckt, uns über die Ausmaße des Kulturhaushaltes und insbesondere des Reformationsjubiläums gewundert und gelernt, was es heißt, wenn Minister und Staatssekretär jede Frage zum seeehr ausführlichen Antworten nutzen.

Zur Krönung der Woche folgte auf die ewig andauernde Finanzausschusssitzung am Mittwoch (wir waren 20:30 Uhr durch) eine ausgedehnte zweitägige Landtagssitzung. Wir begannen am Donnerstag auch schon um 9 Uhr, statt regulär 10 Uhr, da die Tagesordnung so voll war. Sehr zu meiner Freude durfte ich als Schriftführerin dann gleich die erste Schicht ab 9 Uhr übernehmen.

Das einzig Positive an dieser Landtagssitzung war für mich, dass ich keinen eigenen Redebeitrag hatte und die Zeit somit zum Durcharbeiten der verbliebenen fünf Einzelpläne nutzen konnte. Das ist geschafft und so bin ich für die Marathonsitzungen in der kommenden Woche (Dienstag, Mittwoch, Donnerstag) gewappnet.

Nachdenklich gemacht hat mich allerdings eine kurze Begebenheit am ersten Tag der Landtagssitzung. Herr Farle (AfD) hatte Probleme mit der Anzeigetafel am Rednerpult.

Im Laufe der vergangenen Tage war diese Szene dann überall zu finden. Bei Facebook, bei Twitter, bei youtube. Es gibt mir schon zu denken, dass so ein Ausrutscher mehr Aufmerksamkeit bekommt, als manch inhaltlich wichtige und leidenschaftlich geführte Debatte. Ich frage mich, ob ein so großes Interesse auch da gewesen wäre, wenn dieses Versehen einem Politiker einer anderen Partei passiert wäre.

Nebenher passieren auch noch spannenden Dinge in meinen drei Wahlkreisen. Die Bundestagswahl wirft ihre Schatten voraus und schreit eigentlich nach einer aktiven Beteiligung. Nur, wie soll das momentan gehen mitten in den Haushaltsberatungen bei drei bis vier langen Sitzungstagen in der Woche? Irgendwas ist ja immer: Fraktionssitzung, Arbeitskreis, Landtagssitzung, Finanzausschuss, Parlamentarischer Untersuchungsausschuss. Wie sagte Olaf Meister, Vorsitzender des Finanzausschusses in der Landtagssitzung so schön: „Wir sind mitten in der heißen Phase der Haushaltsberatungen. Ich sehe die Finanzpolitiker des Landes, insbesondere die der Koalition, derzeit öfter als so manches Familienmitglied.“

Glücklicherweise ist ein Ende absehbar. Am 15. und 16. Februar finden die Bereinigungssitzungen zum Haushalt statt und danach kann alles wieder seinen normalen Gang gehen.

Und sie bewegt sich doch

29. Januar 2017  Fachpolitik

Wir haben ungefähr die Halbzeit der Haushaltsberatungen erreicht. Die Verhandlungen von zehn Einzelplänen liegen hinter uns, sieben liegen noch vor uns plus Diskussion über Haushaltsgesetz, Haushaltsbegleitgesetz, Sondervermögen und Bereinigungssitzung.

Es komme noch die Pläne von Bildungs-, Kultur-, Umwelt- und Finanzministerium. Auch wenn es anstrengend ist, sich auf all die Sitzungen vorzubereiten, stundenlang Fragen zu stellen und alle Erkenntnisse miteinander zu verknüpfen, langweilig ist es bisher nicht. Wir hatten schon einen bockigen Minister, Spaß mit Joey Kelly, moralischen Verschleiß elektronischer Geräte, Probleme mit der Gerichtsmedizin und Machtkämpfe bei der CDU.

Manchmal beneide ich die Kollegen, die pro Fraktion drei oder vier Finanzausschussmitglieder haben. Da kann sich der ein oder andere auch mal eine Sitzung lang etwas zurück halten. Swen und ich müssen in jeder Sitzung topfit sein. Da Swen als Fraktionsvorsitzender auch hin und wieder Termine parallel zu den Finanzausschusssitzungen hat, lastet eine recht große Verantwortung auf meinen Schultern. Aber alles kann ich nicht wissen oder fragen und so geht uns hin und wieder eine versteckte Reservemillion in den Ministerien flöten. Noch bleibt jedoch die Bereinigungssitzung, in der wir abschließend nachhaken können.

Beim Neujahrsempfang der Fraktion im Gespräch mit Wirtschaftsminister Willingmann über die Finanzierung der Rechtsmedizin

Um die richtigen Fragen stellen zu können und versteckte Depots im Haushalt zu erkennen, ist sehr viel Hintergrundwissen nötig. Manchmal kommt es mir so vor, als wäre der Lernstoff für zwei Abiturjahre in zwei Monate gequetscht. Angefangen bei der Arbeitsmarktpolitik (Welche Programme sind weswegen sinnvoll oder nicht?) über Krankenhausfinanzierung (Warum bekommen Krankenhäuser wofür von wem Geld und warum gibt es einen Investitionsstau?), Wirtschaftsförderung (Was sind GRW-Mittel und warum ist die Beantragung kompliziert?), Kalkulationen von möglichen Tarifsteigerungen (Für wen wird in den kommenden Jahren mit welchen Abschlüssen gerechnet und wie wirkt sich das auf den Landeshaushalt aus?), Problemen beim Bau und Betrieb von Gefängnissen bis hin zu versteckten finanziellen Pufferzonen bei Regionalisierungsmitteln im Verkehrsbereich. Gut, dass unsere Fachpolitiker mit in den Beratungen sitzen und uns assistieren.

Hin und wieder konnten wir auch schon Erfolge mit unseren Nachfragen oder Änderungsanträgen verbuchen (z.B. finanzielle Verbesserungen im Jugendbereich). Die Koalition bewegt sich also doch. Von der Koalition angekündigt sind bereits Veränderungen bei der Unterrichtsversorgung, Krankenhausfinanzierung und bei Landverkäufen. Das sind alles Themen, in den wir Änderungsanträge gestellt haben.

Die kommenden drei Wochen werden sehr intensiv, denn neben den Haushaltsberatungen finden noch eine Landtagssitzung statt, diverse Neujahrsempfänge und an den Wochenenden parteiinterne Versammlungen zur Vorbereitung der Bundestagswahl.