sknil hcan sthcer noV -Von rechts nach links

09. Dezember 2019  Unterwegs

Acht Tage Israel mit spannenden Terminen, neuen Eindrücken und ungewohntem Essen. Und was fällt der Haushaltspolitikerin als erstes auf? Das Geld! Die Israelis haben richtig schönes Geld. Die Shekel-Scheine sind farbenfroh und haben helle und positive Motive mit Blüten, Blättern und Früchten. Da können wir Europäer uns für den Euro noch etwas abschauen.

Schönes Geld- traurige Geschichte

Leider wirkt Israel dann bei der Einreise weniger freundlich. Wer seinen Flug tatsächlich antreten möchte, sollte 3 bis 4 Stunden vor dem Flug am Flughafen sein, denn die Israelis stellen erst mal eine Menge fragen. Die Fluglinie El Al hat dafür einen extra Bereich abgesperrt, wo man dann an einem Stehpult gut 30 Minuten befragt wird, warum man nach Israel will, was man dort macht, ob man das Ticket selbst gekauft hat, welche Mailadresse man beim Kauf angegeben hat, was man beruflich macht, ob man jemandem von der Reise erzählt hat, ob man jemanden in Israel kennt, ob man schon mal in der Nahost-Region war, welche Termine man vor Ort hat, wo man schläft, wann man zurückreist, wann der Flug zurück geht, ob man mit jemanden zusammen reist und wie viel der Flug gekostet hat. Das Ganze natürlich auf Englisch. Bei der Ausreise soll wohl das Prozedere noch mal stattfinden.

Israel wirkt auf den ersten Blick wie viele Staaten im Nahen Osten oder in Nordafrika: Trocken, karg, staubig, leicht hügelig und geprägt von hellen Steinhäusern mit flachen Dächern. Aber beim genauen Hinschauen merkt man die Unterschiede: Israel ist ein hoch technisiertes Land. Überall sprießen große Bürotürme aus dem Boden, fahren Menschen mit Elektrorollern, tippen auf Handys herum, sehen mitunter sehr nach Hippster aus.

Da weiß man gleich Bescheid, worum es geht, oder?

Auch das Sprachbild unterscheidet sich. Aus jeder Ecke hört man eine andere Sprache: Hebräisch, Arabisch, Englisch, Russisch. In Jerusalem mischt sich dann auch noch Jiddisch dazu. Im Hebräischen wird außerdem von rechts nach links gelesen. So ähnlich muss es damals in Babylon gewesen sein.

Wer kein Hebräisch oder Arabisch kann, ist in den Supermärkten oder auf der Straße mitunter recht hilflos, dann die Schrift unterscheidet sich so stark von unserer, dass man nicht mal erahnen kann, worum es auf den Schildern eigentlich geht.

Ein Unterschied zu anderen Ländern macht auch die Präsenz des Militär aus. Überall sieht man junge Menschen mit Armee-Uniform und Waffen. Jeder Israeli muss mit 18 Jahren zum Militärdienst, auch die Frauen. Männer dienen drei Jahre, Frauen zwei. Die israelische Armee ist also sehr jung und im Stadtbild omnipräsent. Die Ausbildung und die Ausrichtung des Militärs scheint sich aber in verschiedenen Punkten von der in Deutschland zu unterscheiden, aber dazu komme ich noch in einem meinem folgenden Beiträge. Fakt ist, das Land ist umgeben von Staaten, die eine potentielle Gefahr darstellen. Man ist darauf eingerichtet, sich verteidigen zu müssen und sich möglichst schnell in Sicherheit zu bringen. Das spüren wir auch in unserer Unterkunft.

Erdbeben und militärische Angriffe der Nachbarländer sind wahrscheinlich, daher ist man auf alles vorbereitet

Unsere Basis ist in Haifa im Gästehaus des Rutenberg-Institutes, von wo aus wir verschiede Termine in der Stadt aber auch in Tel Aviv und Jerusalem wahrnehmen. Wir werden mit Bussen, mit dem Zug und mit Taxis unterwegs sein. Auf dem Plan stehen Treffen mit Jugendorganisationen, mit Journalisten und der Armee. Außerdem werden wir in Jerusalem auch die Gedenkstätte Yad Vashem besuchen und uns die touristischen Höhepunkte anschauen.

Das Rutenberg-Institut kümmert sich um die deutsch-israelische Verständigung und versucht, beide Völker mit Sprachkursen, Landeskunde, Austauschprogrammen und Freiwilligenarbeit zusammen zu bringen. Unser Veranstalter aus Bonn kooperiert mit dem Rutenberg-Institut in Haifa.

Politiker auf Reisen Teil II

05. Dezember 2019  Fachpolitik, Unterwegs

In dieser Legislatur sind gefühlt ständig alle Abgerodneten auf Reisen. Ich habe bissher ein bisschen traurig hinterher geschaut. Irgendwas kam bei mir immer dazwischen: Haushalt, Ausschüsse, Wahlkreistermine.

Nun bietet sich auch mir eine Gelegenheit, meinen fachlichen Horizont im Ausland zu erweitern. Dadurch, dass die Haushaltsverhandlungen erst so spät im Jahr beginnen, kann ich vom 6. Dezember bis zum 12. Dezember an einer Fachkräftereise nach Israel teilnehmen. Das Pressenetzwerk für Jugendthemen (PNJ) hatte diese Reise im Oktober ausgeschrieben, bewerben konnte sich, wer einen Jugendverbandshintergrund und Presseerfahrungen hat. Das trifft beides auf mich zu.

Alles ein bisschen anders, aber vielleicht beispielgebend für die multikulturelle Jugendarbeit bei uns. Foto: pixabay

Thema der Reise ist “Jugendsozialarbeit in Israel”. Wir werden verschiedene Jugendzentren und Institutionen besuchen, uns mit dem freiwilligen Sozialdienst der israelischen Armee beschäftigen und uns ein Mehr-Generationen-Projekt anschauen.

Mich interessiert besonders der Aspekt der Jugendarbeit mit Menschen aus unterschiedlichen kulturellen Hintergründen. Durch die verstärkte Zuwanderung seit 2015 steht auch die Jugendhilfe in Sachsen-Anhalt vor einigen neuen Herausforderungen, gerade im Umgang mit jungen Menschen aus islamisch geprägten Ländern. Hier interessiert mich, wie man im multikulturellen Land Israel mit Problemen unterschiedlicher Ethnien umgeht. Die Reise führt uns unter anderem nach Haifa, Tel Aviv und Jerusalem.

Im Sinne der Transparenz möchte ich auch die Kosten der Reise offenlegen. Die Reise wird durch Teilnehmerbeiträge und Mittel des Bundes finanziert. Jeder Teilnehmer zahlt 485 Euro (Übernachtung und Frühstück) plus 150 Euro Kaution, die zurückerstattet wird, wenn ein journalistischer Beitrag über die Erlebnisse veröffentlicht wird. Dazu kommen noch Kosten für den Flug (323 Euro), die Fahrten zum Flughafen, Mittag- und Abendessen. Der Flug muss selbst gebucht werden, wird aber anschließend erstattet.

Ich freue mich sehr darüber, Israel zu besuchen und bin sehr gespannt auf die Menschen, Institutionen und Austauschmöglichkeiten.

Weihnachten für Haushälterinnen

03. Dezember 2019  Fachpolitik, Im Landtag

Gestern kam endlich der lang ersehnte Haushaltsplanentwurf zu uns in den Landtag. Auf einer CD wurde uns der Haushaltsplan der Landesregierung schon mal vorab zur Verfügung gestellt. Am Freitag kommen die Pläne dann auch noch in gedruckter Form.

Auf dieser unscheinbaren CD befinden sich 24 Milliarden Euro

Ein erster Blick verrät, dass einige tolle Sachen dabei sind, aber auch Dinge, die sich keiner gewünscht hat und die auch niemand braucht. Genau wie an Weihnachten…

Wir sind nun dabei, uns nach und nach die Pläne anzuschauen und die aus Oppositionssicht wesentlichen Kritikpunkte herauszuarbeiten.

Klar ist jetzt schon, die Landesregierung hat uns einen Haushalt voller Fallstricke und offener Baustellen übergeben. Wir als Haushaltsgesetzgeber haben nun die Aufgabe, all die Probleme anzugehen: Es gibt bisher keine Lösung zur Finanzierung der Straßenausbaubeiträge, zum Azubiticket, zu den offenen Finanzierungsfragen beim Unterhaltsvorschussgesetz, und zum Umgang mit der Grunderwerbsteuer. Dazu kommt ein politisch angeschlagener Innenminister, eine unsichere Koalition in Land und Bund, eine auslaufende EU-Förderperiode, eine Neustrukturierung des Bund-Länder-Finanzausgleichs, eine immer noch nicht ausgestandene Krise der NORD/LB, riesige Finanzbedarfe der Universitätskliniken, sinkende Steuereinnahmen…ach ich höre jetzt lieber auf.

Die Haushaltsverhandlungen für das Jahr 2019 waren schon extrem kräftezehrend und aufreibend. Gegen das, was vor uns liegt, scheint mir das eher ein Spaziergang gewesen zu sein.

Mitte Dezember wird im Plenum die Einbringungsdebatte zum Haushalt geführt. Danach wird es drei aufreibende, anstrengende und nervenzehrende Verhandlungsmonate geben. Auf geht’s!

Wind of change

30. November 2019  Im Landtag, Im Wahlkreis

Der Landtag hat in der vergangenen Landtagssitzung mit Gegenstimmen von Linken und AfD den Wahltermin auf den 6. Juni 2021 festgelegt. Das ist laut Wahlgesetz der spätest mögliche Termin. Die Wahl im Jahr 2016 war am 13. März, die Legislatur wurde also um drei Monate verlängert. Das hat nicht nur Auswirkungen auf den Wahlkampf sondern auch auf die finanzielle Lage der Abgeordneten. Der MDR hat diese sehr anschaulich und durchaus kritisch dargestellt.

Auch wenn der Wahltermin noch 18 Monate entfernt ist, weht schon jetzt ein anderer Wind im Landtag. Es werden erste Gespräche zu weiteren politischen Ambitionen geführt, Kreisvorstände machen sich Gedanken über mögliche Kandidaten für die Wahlkreise, Landesvorstände von Parteien werden neu gewählt und Termine für Listenparteitage besprochen.

In den vergangenen Wochen hat unser Landesvorsitzender Stefan Gebhardt gemeinsam mit dem Fraktionsvorsitzenden Thomas Lippmann Gespräche mit allen Fraktionsmitgliedern geführt, um über die kommende Landtagswahl zu sprechen. Jeder von uns musste sich also bis zu diesem Gespräch entscheiden, ob man für eine weitere Legislatur zur Verfügung steht. Über die Gespräche wurde Stillschweigen vereinbart, daher kann ich nur sagen: 70 Prozent der Zeit haben die beiden Männer gesprochen, 30 Prozent ich. Erwartete hatte ich, dass es anders herum sein würde. Außerdem war ich überrascht vom Gesprächsverlauf.

Das nahende Ende dieser Legislatur macht auch die CDU und ihren momentan sehr unglücklich agierenden Innenminister etwas nervös. Die gestern erfolgte Vertrauensfrage in der CDU-Fraktion ist mit 16 zu 13 Stimmen denkbar knapp für Holger Stahlknecht ausgegangen. Ob eine so gespaltene Fraktion hinter ihm steht, wenn er seine Ambitionen aufrecht erhält, Ministerpräsident werden zu wollen? Zeit, einen neuen aussichtsreichen Kandidaten für das Amt des MP aufzubauen, ist wohl nicht mehr da.

Auch in anderen Bereichen läuft die Zeit davon. Unser Finanz- und Haushaltsreferent Benjamin Gehne wird uns zum 31. März 2020 verlassen. Wir bestreiten zwar noch gemeinsam die Haushaltsverhandlungen, müssen uns danach aber einen Nachfolger bzw. eine Nachfolgerin suchen. Wer selbst Interesse hat, bei uns in der Fraktion zu arbeiten oder wer jemanden kennt, kann sich gern die Stellenausschreibung anschauen. Wir hoffen, dass wir einen adäquaten Ersatz finden, wissen aber, dass das nicht einfach wird. Benjamin ist ein sehr guter, vernetzter und agiler Referent. Ich bedaure sehr, dass er bald andere Wege geht.

Aus gegebenem Anlass

26. November 2019  Im Landtag